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Nach Unfällen : Polizisten erschießen häufiger verwundetes Wild

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Jäger und Naturschützer fordern bessere Maßnahmen an Straßen, um Unfälle mit Tieren zu vermeiden.

Das Innenministerium hat auf Anfrage des Abgeordneten Jürgen Maresch (Linke) genau nachrechnen lassen: Insgesamt 3500 Tiere, die als „gefährlich, krank oder verletzt“ eingestuft wurden, haben Polizisten in den vergangenen fünf Jahren getötet. In fast allen Fällen handelte es sich dabei um Wild, das bei einem Unfall schwer verletzt und von den Qualen durch Schüsse der Beamten erlöst wurde. Allein zwischen 2012 und 2013 stieg die Zahl der Tötungen um ein Viertel auf 728.

Maresch bewertet die Statistik als „enorm“. Nach seiner Kenntnis ist die Abstimmung zwischen Polizei und Jagdpächtern oft schwierig. „Das Problem wird auf die Kollegen in den Dienststellen abgewälzt, dabei ist die Polizei durch die jüngsten Personaleinsparungen schon schlecht aufgestellt“, so der Politiker. Allerdings würde die Anwendung der Schusswaffen auch jährlich geübt.

Für das Polizeipräsidium zählen Schüsse auf verletzte Wildtiere zur Gefahrenabwehr. „Es muss verhindert werden, dass sie im verwundeten Zustand noch einmal über die Straße rennen und weitere Autofahrer gefährden“, erklärt Sprecherin Anja Resmer. Wenn Jagdpächter von den Regionalleitstellen nicht erreicht werden können, müssten die Kollegen vor Ort handeln. „Man kann das Tier auch nicht so lange leiden lassen, bis irgendwann ein Jäger eintrifft.“

Der brandenburgische Jagdverband spricht von einer guten Zusammenarbeit zwischen Polizei und Waidmännern, verweist aber auf die Zuständigkeiten: „Die Beräumung von Unfallstellen gehört nicht primär zur Aufgabe unserer Revierpächter“, erklärt Geschäftsführer Georg Baumann. Die meisten Jäger würden einem Beruf nachgehen und seien dadurch nicht ständig verfügbar.

Trotz Tempolimits und baulicher Maßnahmen erreichen die Wildunfälle in Deutschland seit Jahren neue Höchststände. 15 700 Kollisionen registrierte die brandenburgische Polizei im vergangenen Jahr – eine Zahl auf dem Niveau der Vorjahre. Dabei wurden 154 Autofahrer verletzt. Der Jagdverband fordere seit langem, Wildwechsel bei der Planung von Straßen stärker zu berücksichtigen, sagt Baumann. „Wir fahren oft direkt durchs Wohnzimmer der Tiere.“ Ähnlich argumentiert der Naturschutzbund: Weitere Querungshilfen könnten Tiere und Autofahrer schützen, sagt die Landesgeschäftsführerin Katharina Weinberg. Doch einige geplante Wildbrücken wurden wegen Geldmangels gestrichen. Zudem sollte aus der Sicht der Umweltorganisation die landwirtschaftliche Planung optimiert werden. Viele Felder führten an Straßenränder, was Wild anlocke.

Gerade in diesen Wochen müssten Autofahrer verstärkt aufpassen, warnt Baumann. Junge Rehböcke eroberten sich im Frühjahr eigene Reviere. „Die laufen planlos durch die Gegend.“

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