Politskandal weitet sich aus

Zu einem immer größer werdenden Politskandal entwickelt sich das drohende Aus des Dassower DVD-Werkes mit seinen 1100 Beschäftigten. Massiv unter Druck gerät dabei ein Minister, der bis heute gehofft haben dürfte, die Krise unbeschadet aussitzen zu können: Dr. Otto Ebnet. Die FDP sieht ihn in Erklärungsnot.

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20. Februar 2008, 05:38 Uhr

Dassow - Die Luft für Otto Ebnet wird dünner. Denn aus einem Schreiben geht hervor, dass der Ex-Wirtschafts- und heutige Verkehrsminister schon seit Jahren von dem fragwürdigen Geschäftsgebaren eines führenden DVD-Managers gewusst haben könnte.

Der Brief ist mit dem 29. Januar 2002 datiert, adressiert an Ebnet und liegt der Redaktion vor. Der Inhalt brisant. Zitat: „Um zu vermeiden, dass Fördermittel des Landes abermals zweckentfremdet werden (Bestwood in Ribnitz-Dammgarten sowie Heitmann-Pleite in Pötenitz), möchte ich Ihnen Hinweise mit der Bitte um Prüfung zur Kenntnis geben.“ Dann listete er auf, welche britische Firmen Pleite gegangen waren, in denen der später von der Landesregierung hofierte Dassower DVD-Manager Wilhelm F. Mittrich tätig gewesen sein soll: Point Entertainment, Point Classic und Master-Tone.
Fett geduckt hebt der Verfasser in dem Brief an Ebnet hervor: „Sinn dieses Schreibens ist es nicht, die Reputation des Herrn Mittrich zu beschädigen, es ist jedoch erstaunlich, wenn einerseits die von Mittrich geführt Firmen in Konkurs gehen, er andererseits privat über ein großes Vermögen verfügt (z. B. Finca auf Mallorca).“

Verfasst worden war die Warnung von einem Angestellten einer nordwestmecklenburgischen Behörde. Bei ihm schrillten damals die Alarmglocken, als er erfuhr, das Land will einen zweistelligen Millionenbetrag in das CD-Werk Dassow pumpen. Seine Reaktion: Er servierte dem damaligen Wirtschaftsminister wie auf einem Silbertablett Informationen. Und was war eine der Folgen? Monate später fließen die Millionen nach Dassow, damit die Erweiterung des CD-Werkes Optical Disc Service erfolgen kann.

FDP: Bei Widersprüchen gerät der Minister in ErklärungsnotNach Bekanntwerden des brisanten Schreibens zeigten sich Mitglieder der FDP-Landtagsfraktion gestern empört. Bislang vertrauten sie auf das Wort des Ministers. „Wenn sich jetzt Widersprüche zu bisherigen Aussagen auftun, gerät Her Ebnet in große Erklärungsnot“, warnte FDP-Fraktionschef Michael Roolf. Konfrontiert mit dem Schreiben erklärte gestern ein Sprecher von Minister Otto Ebnet: „Wir prüfen die Geschichte.“ Ebnet ist derzeit auf Kuba mit einer Wirtschaftdeligation.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ebnet unter Druck gerät. Bereits bei dem verkorksten Marina-Projekt von Hohen Wieschendorf stand er als damaliger Wirtschaftsminister in der Kritik. Der SPD-Politiker musste gar in den Zeugenstand und bestritt vor dem Landgericht jede Mitverantwortung am millionenschweren Subventionsbetrug. Ebnet während der Verhandlung: „Wir wissen von gar nichts.“
Kreistagspräsident erhebt schwere VorwürfeDafür weiß der ehemalige Justizminister und jetzige Kreistagspräsident Dr. Ulrich Born (CDU), woran er ist: „Wenn wie schon bei dieser Marina ein verurteilter Freigänger Gelder vom Land abgreifen kann, sagt das alles über die desolate Förderpraxis im Hause des damaligen Wirtschaftsministers Otto Ebnet.“

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