Plauer fühlen sich veräppelt

Bürger der Plauer Initiative "Lkw raus aus unserem Luftkurort" fühlen sich veräppelt. Bisher gingen sie davon aus, dass spätestens 2011 mit dem Bau der Ortsumgehung begonnen wird. Über 15 Jahre haben sie dafür gekämpft. Nun hat das Schweriner Verkehrsministerium das Vorhaben um zwei Jahre nach hinten verschoben.

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08. Januar 2009, 08:41 Uhr

Plau am See | Gründlich verdorben sei sein Jahresausklang gewesen, nachdem das lang erwartete Antwortschreiben vom Verkehrsministerium endlich in sein Haus flatterte, sagt Dietmar Villwock. Darin stand, dass der Zeitplan für den Bau der Ortsumgehung nicht mehr eingehalten werden kann und der Bau um weitere zwei Jahre verschoben wird. Als Grund werden Veränderungen im Umweltrecht angegeben, die 2007 nach Maßgabe einer europäischer Richtlinie eingeführt wurden. "Danach müssen vor jeder Straßenbaumaßnahme Untersuchungen zum Artenschutz durchgeführt werden", informiert Matthias Lange, Sprecher des Ministeriums. Diese seien allerdings sehr aufwendig und zeitintensiv.

Villwock und seine Mitstreiter haben haben dafür kein Verständnis. "Es kommt mir vor, als ob sich da jemand hinter dem Umweltrecht verstecke." Seit mehr als 15 Jahren kämpft der Plauer an vorderster Front für den Bau der Ortsumgehung und fordert nun, dass "Bürger das gleiche Lebensrecht in diesem Land haben wie Frösche und Algen". Auch seien, so der 59-Jährige, alle nötigen Unterlagen wie Umweltverträglichkeitsstudie und Fahrzeugzählung beisammen und das Ingenieurbüro könne mit der Planung beginnen, wenn es dann endlich grünes Licht vom Verkehrsministerium gibt. "Solange wir mit Straßenblockaden und Demonstrationen auf unser Anliegen aufmerksam gemacht haben, ist das Vorhaben vorwärts gekommen. Nachdem wir aber mit dem Trampeln aufgehört haben, ist es nicht nur stehen geblieben, sondern wäre wahrscheinlich noch unter den Tisch gerutscht", ist der Plauer überzeugt.

Dabei ist der Handlungsbedarf dringender denn je. Seit der Einführung der Maut ist nämlich der Verkehr an Schwerlasttransportern durch den Luftkurort enorm angestiegen. Um die Autobahngebühr zu umgehen, wählen viele Fahrer, die von den Häfen wie Hamburg und Bremen kommen und Richtung Osten wie Polen wollen, diesen Weg. "Unsere Baustruktur aber ist für so einen Lkw-Verkehr nicht ausgelegt", so Villwock. Wenn die schweren Laster durch seine Steinstraße brettern, wackeln nicht nur die Wände, sie reißen sogar, wie die Hauswand seines Nachbarn und die Fliesen in seiner Küche.

Am Sonntagabend, wenn das Fahrverbot aufgehoben ist, sei es am schlimmsten. Da bretterten die Lkws im Sekundentakt durch den Ort.

Der Verkehr dürfte im Laufe des Jahres noch zunehmen, da ab 1. Januar die Mautgebühr angezogen wurde.

Nicht nur um die Schüler in der anliegenden Grundschule macht sich Dietmar Villwock Sorgen, sondern auch um die Gasleitungen, die unter der Straße verlaufen und diesen permanenten Erschütterungen eventuell nicht standhalten. "Umso wichtiger ist es, dass bald gehandelt wird." Am liebsten würden die Plauer sehen, wenn der Bau schon vor 2011 umgesetzt wird. Dass der nun aber erst 2013 in Angriff genommen werden soll, dafür haben sie kein Verständnis. "Wenn ich dann im Ministerbrief lese: ,Ich versichere Ihnen, dass ich mich persönlich um einen zügigen Planungsfortschritt einsetzen werde, dann verkommt dieser Satz zu einer Phrase", sagt Villwock.

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