Plauderei neben Tee- und Kaffeeregal

Martina Freiwald (l.) gibt bei Astrid Konrad eine Sonderbestellung auf: Sie möchte beim nächsten Mal gerne Lachgummi kaufen. Die Gülzowerin besorgt  die meisten Lebensmittel im Verkaufsbus. Nadine Schuldt
Martina Freiwald (l.) gibt bei Astrid Konrad eine Sonderbestellung auf: Sie möchte beim nächsten Mal gerne Lachgummi kaufen. Die Gülzowerin besorgt die meisten Lebensmittel im Verkaufsbus. Nadine Schuldt

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22. Januar 2010, 12:16 Uhr

Bützow | Die kleinen "Jägermeister"-Flaschen klirren. Auch die Flaschen mit Baby-Möhrensaft auf der Gefriertruhe klacken immer wieder zusammen. Für Astrid Konrad ist das eine ganz normale Geräuschkulisse, wenn sie mit dem Verkaufsbus über die Dörfer in der Umgebung von Bützow fährt. "Es fällt in den seltensten Fällen etwas heraus" sagt die 49-Jährige, die seit knapp sechs Jahren für das Unternehmen "Gemischtwaren Schröder" arbeitet.

Heute ist sie auf der Straße nach Gülzow über Wilhelminenhof bis nach Zehna unterwegs, wo sie umkehrt, um Dörfer wie Letschow, Benitz, Fahrenholz und Hohen Luckow anzusteuern. Durch die derzeitigen Witterungsverhältnisse werden die oft 100 Kilometer langen Touren nicht gerade leichter. Im Gegenteil. "In einigen Dörfern müssen wir rückwärts reinfahren, weil es keine Wendemöglichkeiten in dem Ort gibt", erzählt Konrad auf der Fahrt nach Gülzow. Ihr sei bisher noch nichts passiert, doch ihre Kollegin hatte sich gerade am Dienstag festgefahren. "Entweder hilft uns dann jemand oder wir rufen unsere Chefin in Bützow an", schildert Konrad. Außerdem dauern die Fahrten durch die schlecht geräumten Straßen in den Dörfern länger. "Wenn es wieder Schneeverwehungen gegeben hat, liegen die Nerven erst einmal blank", sagt Mandy Schröder, die vom Winter langsam genug hat.

1000 Artikel in einem 7,5-Tonner

Dennoch: Täglich sind die drei Verkaufsbusse in der Bützower Umgebung unterwegs, fahren meist zweimal pro Woche die gleichen Orte an.

Die Kunden freuts. Kaum hat Astrid Konrad die Sirene betätigt und bei den Neubauten in Gülzow gehalten, betreten die ersten Kunden den Verkaufsbus. Viele haben ihre eigenen Beutel oder Einkaufswagen dabei. So wie Liane Passenheim. Unter den vielen Artikeln, die in den Busregalen untergebracht sind, weiß sie ganz genau, was sie möchte. Schnell hat sie Kondensmilch, "Fit", Bienenhonig und "Nimm2" in ihren Korb gepackt. "Haben sie auch Katzenfutter mit Fischgeschmack?", fragt sie die Verkäuferin. Fast schon wie nebenbei greift Konrad in das Regal über dem Beifahrersitz, der mit Haushaltsrollen, Rätselheftchen und anderem vollgestellt ist. In dem 7,5-Tonner sind an die 1000 Artikel untergebracht - von Lakritzstangen über Duschgel bis hin zu tiefgefrorenem Eis ist alles dabei. "Wie lange ist die Sahne haltbar?", fragt schon die nächste Kundin. Freundlich antwortet Astrid Konrad auch dieser Frau.

Als Fahrerin eines Busses muss sie wie ihre zwei Kolleginnen mehr als nur Verkaufstalent mitbringen. Die drei Mitarbeiterinnen kümmern sich zudem um die Kasse und fahren, waschen und beladen den Wagen. "Die Leute sprechen mit ihnen über ihre Krankheiten, erzählen ihnen, wenn ein Familienmitglied gestorben ist", sagt Chefin Mandy Schröder. Sie seien auch ein bisschen Seelsorger, fügt sie hinzu. Auch Liane Passenheim wechselt mit Astrid Konrad immer ein paar Sätze zum Wetter oder über den Einkauf. "Der Service ist gut, ich kaufe alle meine Lebensmittel hier", erzählt die Gülzowerin.

Während Schröders Angestellten die Menschen auf den Dörfern versorgen, besorgt die 35-jährige Chefin neue Ware im Güstrower Handelshof. Die Dinge des täglichen Bedarfs bringt sie in ihr Lager im Bützower Bahnhofsviertel - dort werden die Transporter bestückt.

Sonderbestellungen werden das nächste Mal mitgebracht

Das Beladen beginnt für die Frauen gleich abends - dann, wenn sie ihre Touren beendet haben. "Wir müssen das Leergut rausbringen und wieder auffüllen, die Lebensmittel aufstücken und im Wagen durchwischen", schildert Konrad während sie am nächsten Haltepunkt in Gülzow hält. Arbeitsschluss sei für sie meist zwischen 17 und 18 Uhr. Morgens werden nur frisches Brot und Brötchen und Zeitungen in die Regale und Halterungen gelegt. Neben ihren alltäglichen Produkten haben sie manchmal auch speziellere Lebensmittel dabei. "Heute bringe ich einer Kundin 100-prozentigen Karottensaft mit", sagt Konrad, die bei ihren Stopps immer die Sonderbestellungen der Menschen entgegennimmt.

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