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21. November 2017 | 11:31 Uhr

Plau: Viel Skepsis, wenig Hoffnung

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erstellt am 04.Apr.2013 | 10:22 Uhr

"Bei der Festlegung von Eignungsflächen für Windkraftanlagen sollte die Gemeinde das letzte Wort haben", so Rainer Pochstein, Dezernent beim Landesamt für Raumordnung Westmecklenburg, das neue Wege ankündigte, aber damit bei der jüngsten Bürgerversammlung im Plauer Rathaus auf viel Skepsis und wenig Hoffnung stieß.

Vorhandene Windkraftanlagen finden kaum Akzeptanz, so der Vorwurf, weil deren Ertrag in die Taschen von Investoren fließe, die nicht in der Region beheimatet seien. Zudem halten ihre Standorte nicht immer die gesetzlichen Vorgaben ein. Darin sind Mindestabstände vorgeschrieben: 1500 Meter zur bebauten Ortslage und 1000 zu Einzelgehöften. Dezernent Rainer Pochstein erntete Hohngelächter, als er diese Werte im überfüllten Sitzungssaal des Rathauses verkündete. "In Plauerhagen werden die Abstände auf weniger als 800 Meter unterschritten", wussten Anwohner zu berichten. Und der Bewohner eines Einzelgehöftes schätzte den Mindestabstand zum nächsten Windrad gar auf höchstens 420 Meter: "Die Geräuschbelästigung ist unerträglich - an Schlafen bei offenem Fenster ist nicht zu denken", so seine leidvolle Erfahrung. Pochstein äußerte die Vermutung, dass sich nach der Errichtung der Windparks die Bebauung verändert haben könnte. Auch zähle Wohnen nicht zu den privilegierten Nutzungen im Außenbereich.

Der Planungsdezernent berichtete der Versammlung vom aktuellen Planungsstand für das regionale Energiekonzept, wie es bereits 2011 im regionalen Raumentwicklungsprogramm für Westmecklenburg vorgesehen war. Nunmehr seien Bundesmittel geflossen und das Konzept könne fertiggestellt werden. "Es soll am 12. Juni beschlossen werden", so Pochstein. Danach werde jeder Gemeinde - als Grundlage für die Ausweisung von Eignungs flächen für Windenergie - umfangreiches Datenmaterial zur Verfügung stehen. Mit Hilfe der Datenblätter soll es Kommunen künftig ermöglicht werden, Freihalte-Sektoren zu sichern und Ausschlusskriterien festzulegen. Laut Pochstein sind Amt und Planungsverband daran interessiert, dass die Wertschöpfung aus Windkraftanlagen mehr als bislang den Standort-Kommunen zugute kommt.

Bürgermeister Norbert Reier schilderte ein Dilemma. Auf der einen Seite werde in Mecklenburg-Vorpommern mehr regenerative Energie erzeugt, als das Bundesland selbst brauche. "Wir könnten längst energie-autark sein", so Reier. Auf der anderen Seite gebe es aber immer noch zu wenig Leitungskapazitäten, um die Überschüsse abzuleiten. Die Durchleitung konventionellen Stroms habe zur Folge, "dass bei uns die Stromkosten im Durchschnitt zwei Cent höher sind als anderswo." Dem Versprechen auf größere kommunale Hoheit begegnete Reier mit Skepsis. Die negative Stellungnahme einer Gemeinde zur Ausweisung von Eignungsflächen von Windenergie, so seine bisherige Erfahrung, "wurde stets durch das Einvernehmen des Landkreises ersetzt".

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