Hintergrund : „Platz bewusst ausgewählt“

Zeitungskorrespondent Ahmed Külahci zu den Konsequenzen des Anschlags

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13. Januar 2016, 19:42 Uhr

Berlin  Trauer und Entsetzen nach dem Terroranschlag von Istanbul: Über die Folgen und Hintergründe sprach Andreas Herholz mit Ahmed Külahci, Deutschland-Korrespondent der türkischen Tageszeitung Hürriyet.

Wie reagieren türkische Medien und die Öffentlichkeit?
Külahci: Der Islamische Staat wollte in erster Linie die türkische Regierung und die Türkei treffen. Der Anschlag soll vor allem dem Tourismus schaden, einer wichtigen Säule der türkischen Wirtschaft. Der Platz  ist bewusst ausgewählt worden, weil er bei Touristen aus aller Welt so beliebt ist. Wenn nach den russischen Touristen jetzt auch deutsche und andere Reisende keinen Urlaub mehr in der Türkei machen werden, wird dies der Wirtschaft enorm schaden.

Was sagen Sie zu Spekulationen, dass die Geheimdienste Hinweise auf ein Attentat gehabt hätten?
Es ist schwer vorstellbar, dass die türkischen Sicherheitskräfte trotz Hinweisen auf einen Anschlag nichts unternommen hätten. Zuletzt war es gelungen, einige geplante Anschläge zu verhindern und die potenziellen Täter in Untersuchungshaft zu nehmen. Wenn es konkrete Indizien auf die Tat in Istanbul gegeben hätte, wäre die Polizei nicht untätig geblieben.

Das Land ist innenpolitisch gespalten. Wird das Attentat den Riss vertiefen?
Ich fürchte ja. Die türkische Opposition und einige Medien werfen der Regierung vor, nicht genug gegen den IS unternommen zu haben. Außerdem gibt es wieder Kämpfe mit der PKK. Ich hoffe, dass es nicht zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen wird.

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