Action im Badeparadies : Physiker der Luft springen Weltrekord

Blick aus einer Höhe von 107 Metern: Zwei Industriekletterer hängen vom Dach des Tropical Island und sorgen für Sicherheit.  Zum 2. Indoor Base World Cup trafen sich 60 Springer aus 16 Nationen.
Blick aus einer Höhe von 107 Metern: Zwei Industriekletterer hängen vom Dach des Tropical Island und sorgen für Sicherheit. Zum 2. Indoor Base World Cup trafen sich 60 Springer aus 16 Nationen.

Das Fallschirmspektakel begeistert die Zuschauer im Tropical Islands. 60 Springer stürzen sich aus über 100 Metern Höhe in die Tiefe.

svz.de von
09. Dezember 2013, 17:24 Uhr

Wie kleine Ameisen stehen die Base-Jumper unter dem Dach des Badeparadieses Tropical Islands. Hochgeklettert sind sie über mehrere Stahlleitern, die sich vom Boden hinaufstrecken. Erkennbar versammeln sie sich in ihren orangefarbenen T-Shirts auf dem Gang unter dem Hallendach und bereiten sich auf ihren Sprung vor. Base-Jumping oder zu deutsch, das Springen von feststehenden Objekten, ist eine Erweiterung des Fallschirmspringens. Während die Springer beim Fallschirmspringen aus einem Flugzeug hechten, hüpfen sie beim Base-Jumping von feststehenden Objekten. Die Abkürzung des Begriffs Base geht auf die englischen Worte building (Gebäude), antenna (Sendemast), span (Brücke) und earth (Boden) zurück.

Der Unterschied zum Fallschirmspringen besteht unter anderem darin, dass die Schirme mit fünf bis sechs Kilogramm ein geringeres Gewicht haben und kein Sicherheitsschirm im Rucksack mitgeführt wird. „Ein Reserveschirm ergibt bei dieser geringen Fallhöhe keinen Sinn, da sich dieser eh nicht schnell genug öffnen würde“, erklärt Jürgen „Mahle“ Mühling, Organisator der Veranstaltung und Berufssprunglehrer aus Fehrbellin . „Bei den hundert Metern hier dauert der freie Fall nur ein bis zwei Sekunden“, fügt er hinzu.

Für den Weltrekord stehen nun alle Springer oben bereit. Der Sprecher und das Publikum zählen den Countdown herunter: drei, zwei, eins. Mit angewinkelten Armen und Beinen macht sich der erste Base-Jumper von der Plattform. Die Halle jubelt. Im zehn Sekunden-Takt springen sie nacheinander ab. Durch die Halle segeln teilweise zwei bis drei bunte Schirme gleichzeitig. Die einen gleiten nach rechts, die anderen nach links. Nach ungefähr 15 Minuten sind alle Springer entweder im Sand oder im Wasser gelandet. Letzter ist Mühling. Strahlend erhebt er seine Faust, als er im Sand des Tropical Islands steht. „Das war Wahnsinn. Toll.“

Mühling freut sich nicht nur über den erfolgreichen Weltrekord, sondern auch über die rege Beteiligung. Insgesamt hatten sich bei dem 47-Jährigen 80 Base-Jumper für das Spektakel gemeldet. Zugelassen hat er letztlich 60 Männer und Frauen aus 21 Nationen. „40 von den 60 Springern kenne ich persönlich. In diesem Sport ist es wichtig, dass man Erfahrung mitbringt und seine technischen Fähigkeiten für den Moment richtig abschätzen kann“, sagt Mühling. Verglichen mit dem Fallschirmspringen ist das Base-Jumping seit den 1980-er Jahren eine vergleichsweise junge Sportart.

Bereits am Tag zuvor endete der Indoor Base-Welt-Cup. Dabei mussten die Springer innerhalb von vier Durchgängen einen Landepunkt mit einem Durchmesser von sechs Metern treffen. Für die punktgenaue Landung war die technische Einschätzung ausschlaggebend. Zu den Physikern des Base-Jumpings konnten sich mit einer Gesamtabweichung von 22 Zentimetern die Deutschen Klaus Renz und Tobi Scherrinsky zählen. Sie teilen sich den ersten Platz. Auf Rang zwei kam der Kroate Robert Pecnik, Platz drei belegte der Italiener Maurizio di Palma. Der internationale Wettkampf fand bereits zum zweiten Mal statt. Für den nächsten Welt Cup und Weltrekordversuch will sich Mühling ein paar Jahre Zeit lassen: „Dieses Juwel soll jetzt erst einmal etwas Besonderes bleiben“, lächelt er.

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