Phnom Penh - Goldberge und Müllhaufen

Auf zwei Rädern durch Pnomh Penh: Die meisten Menschen sind in Kambodschas Hauptstadt mit dem Moped unterwegs. (Bild: Fremdenverkehrsamt Kambodscha/dpa/tmn)
1 von 3
Auf zwei Rädern durch Pnomh Penh: Die meisten Menschen sind in Kambodschas Hauptstadt mit dem Moped unterwegs. (Bild: Fremdenverkehrsamt Kambodscha/dpa/tmn)

Luxuskarossen und Fahrradrikschas, Foltermuseen und Massagesalons, glänzendes Gold und stinkende Müllberge: Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh bietet Touristen viele Kontraste. Der Spaziergänger rauscht durch ein Wechselbad der Gefühle.

von
11. April 2009, 11:38 Uhr

Phnom Penh (dpa/tmn) - Der Königspalast mitten in Phnom Penh glänzt als Wahrzeichen schon von weitem. Abends erscheinen die verzierten Dachsimse der 1866 begonnenen Anlage vor der untergehenden Sonne im Gegenlicht wie Scherenschnitte. Auf der Wiese davor tobt gegen 18 Uhr das echte Leben: Massen-Aerobic ist dann angesagt. Rhythmische Bewegung liegt den Kambodschanern. Auch an der Straße vom Flughafen in die Stadt wird ein Grünstreifen oft zur Vergnügungsmeile. Eine Vorturnerin schart sich mit ihren Fans um einen Kassettenrekorder. Die Musik scheppert etwas, doch tut das der Tanzlust keinen Abbruch.

Im Innern der Palastmauern beginnt eine andere Welt. Hier wohnt König Sihamoni, im Thronsaal blendet viel Gold das Auge. Gespart wird aber auch bei Königs: Nur jeder zweite Kronleuchter ist an. Der Boden der Silberpagode besteht aus fast 6000 Kilogramm Silberkacheln. Es gibt auch eine Buddha-Figur aus 90 Kilogramm Gold mit 2086 Diamanten.

Konkurrenz der Verkehrsmittel

Auf der anderen Seite der Mauer leben Straßenkinder im Dreck. Vier- und Fünfjährige tollen durch Kartons und über Lumpen. An der Ecke baut die Welttoilettenorganisation eine Bedürfnisanstalt. «Hello Madam!» rufen die Kleinen - man weiß ja nie, ob es einen Dollar gibt. Die US-Währung ist das allgemeine Zahlungsmittel in Phnom Penh.

Auf den teils engen Straßen machen sich viele Verkehrsmittel Konkurrenz: Menschen mit Handkarren, Fahrradrikschas und jede Menge dicke Autos. Um Fahrzeuge ohne Nummernschild sollte man einen Bogen machen, raten Einheimische. Hinter schwarzen Scheiben verbergen sich einflussreiche Leute, die über allen Gesetzen zu stehen scheinen.

«Knusprige scharfe Tarantula»

Der Großteil der Bevölkerung ist auf dem Moped unterwegs - teils mit abenteuerlicher Fracht. Auf einem sitzt hinten rücklings eine Frau und hält einen Handkarren mit aufgebauter Garküche fest. Auf einem anderen sitzen zwei Männer hinter dem Fahrer: Der hintere hält eine Infusionsflasche hoch, deren Schlauch im Hemd des mittleren verschwindet - Krankentransport auf kambodschanisch.

«Knusprige scharfe Tarantula» ist eine der Spezialitäten, die auf den Speisekarten feilgeboten werden. Wer mit hungrigem Magen seiner Nase folgt, landet rasch in einer der Hunderten von Garküchen in Phnom Penh. Familien kochen auf kleinen Öfen Reis- und Nudelgerichte; die Hungrigen nehmen auf Miniplastikstühlen direkt am Bordstein Platz. Ein Restaurant am Straßenrand bietet «zum Nachtisch» Pediküre: Die Tochter der Köchin rückt mit Wattebäuschchen und Feile an.

Im einstigen Foltergefängnis Toul Sleng und in der Gedenkstätte Choeung Ek wird an die Gräueltaten der Roten Khmer erinnert, die in den 70er Jahren in ihrem Wahn, ein bäuerliches Utopia schaffen zu wollen, ein Viertel der Bevölkerung ausrotteten. In Toul Sleng wurden bis zu 16 000 Menschen gefoltert; in Choeung Ek - eine halbe Stunde außerhalb der Stadt - wurden sie ermordet. Das Gelände ist noch nicht zu einer Touristenattraktion mit Souvenirläden verkommen. Ein Turm mit Regalen voller ausgegrabener Schädelknochen ist stummer und eindrucksvoller Zeuge des Horrors, der hier stattgefunden haben muss. Die einstigen Massengräber sind noch zu sehen. Besucher haben Blumen dort abgelegt. Ein Wärter fegt den Waldboden zwischen den Gräbern, und von irgendwo weht das Kindergeschrei von einem Schulhof herüber.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen