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23. November 2017 | 08:54 Uhr

Perlebergs neue, fruchtige Note

vom

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 10:24 Uhr

Spätestens seit dem Jahre 1896 ist Perleberg in vieler Munde. Denn seit jenem Jahre wird in der Rolandstadt Mostrich hergestellt. Richard Kürsten hatte die damalige Mostrich- und Wichsfabrik von der Firma Nürnberg & Giesecke übernommen, und damit schlug die Stunde des Perleberger Senfs und wohl auch die der Schuhwichse, für die die Rolandstadt fortan ebenso bekannt war. Offensichtlich blieb aber beides mehr ein regionales Produkt, denn auch zu DDR-Zeiten stand der Perleberger Senf nicht republikweit in den Regalen von HO oder Konsum. Mit der Wende war er kaum noch in irgendwelchen Regalen gesehen, schon gar nicht in denen der großen Handelsketten. Doch es gab ihn noch, bestätigt Harald Rudolf. Er war damals Produktionsleiter in der Firma "Winko" in Wittenberge, die von der Firma Gall die Rezeptur erwarb. Jene produzierte den Mostrich Anfang der 90er Jahre noch in der alten Perleberger Senfmühle. So einige Male wechselten die Eigentums- und Urheberrechte noch den Besitzer, verloren ging das Rezept aber nie. Und noch heute wird er produziert - der Perleberger Senf. Einziges Manko - hergestellt wird die Spezialität der Rolandstadt inzwischen außerhalb von Perleberg. Doch das schmecke man nicht, fügt schmunzelnd Cornelia Porada an. Und sie muss es ja wissen, vertreibt sie doch seit 2006 gemeinsam mit Harald Rudolf als GbR den Senf, der immer noch nach der alten Rezeptur "gebraut" wird: Senfmehl oder -körner, Sarepta für den dunkleren Senf, dazu Wasser, Brandweinessig, Salz, Zucker und Gewürze. Über die Zusammensetzung der Letzteren, da schweigt des Dichters Höflichkeit. Auch die Firma, die für die GbR in Uenze den Perleberger Senf produziert, kennt das Geheimnis nicht. "Sie bekommt die fertige Mischung", erläutert Harald Rudolf.

Seit Anfang des Jahres hat der urtypische Perleberger Senf fruchtigen Zuwachs erhalten. In der Küche des "Utspann", seit 1991 ist Cornelia Porada Inhaberin der Herberge und Gaststätte, wurde emsig experimentiert. Herausgekommen ist Perleberger Apfel-, Preiselbeer- und Estragonsenf. "Wir wollten einfach mal was probieren", gesteht Harald Rudolf. Abgewogen und hinzugefügt, alles zugleich exakt notiert und das so lange bis es zumindest schon mal den eigenen Geschmack traf. Anschließend mussten Freunde und Bekannte probieren, und auch der Stammtisch im Utspann bekam natürlich eine Kostprobe. Inzwischen werden die fruchtigen Ableger des Perleberger Senfs bereits produziert und vertrieben. "Natürlich gibt es sie im Utspann", fügt Cornelia Porada an. Und natürlich fehlen sie auch nicht in der dortigen Küche. In den Regalen der Ketten sucht man die fruchtigen Perleberger, in denen wirklich die reine Frucht stecke, wie beide versichern, aber vergebens. "Es soll eine kleine regionale Spezialität bleiben". In der Perleberger Genusswelt, im Kaffee- und Reformhaus Wittenberge, im Hofladen Groß Pankow und im online-Shop wird der Gourmet aber fündig.

Auch die Liebhaber von Bockwurst werden weiterhin ihren Dampfriemen in urtypischen Perleberger Senf stippen können, für die Rouladen sollte man vielleicht den mit Estragon mal ausprobieren, empfiehlt die Herbergswirtin.

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