Osttimors Präsident Ramos-Horta bei „Putschversuch“ schwer verletzt

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11. Februar 2008, 02:09 Uhr

Sydney - Der Präsident von Osttimor, José Ramos-Horta, ist bei einem Anschlag von Rebellen am Montag angeschossen und schwer verletzt worden. „Er ist in äußerst kritischem Zustand“, sagte der Sprecher einer Flugzeugambulanz, die Ramos-Horta zu einer Notoperation nach Australien ausflog. Auch auf Ministerpräsident Xanana Gusmao wurde ein Attentat verübt. Der Regierungschef entkam aber unverletzt, nachdem sein Auto in einen Hinterhalt geraten war. Er machte eine Rebellentruppe aus entlassenen Soldaten für den „versuchten Sturz“ der demokratisch gewählten Regierungsspitze verantwortlich. Deren Anführer, der ehemalige Major Alfredo Reinado, sei bei der Schießerei ums Leben gekommen.

Nach Angaben des australischen Ambulanz-Sprechers wurde Ramos- Horta (58) in ein künstliches Koma versetzt und beatmet. Er wurde offenbar im Arm und in der Magengegend getroffen. Die Schüsse waren am frühen Morgen in der Hauptstadt Dili in der Nähe seines Hauses abgefeuert worden. Der Präsident wurde zunächst in einem australischen Militärkrankenhaus auf Osttimor behandelt, ehe er nach Darwin ausgeflogen wurde. Ramos-Horta hatte für seine Bemühungen um ein friedliches Ende der indonesischen Besatzung seines Heimatlandes zusammen mit Bischof Carlos Belo 1996 den Friedensnobelpreis erhalten.

Ministerpräsident Gusmao bildete einen Krisenstab. In Dili blieb es nach Angaben von Augenzeugen ruhig. Australien, einer der engsten Verbündeten von Osttimor, wollte seine Truppenstärke dort von 800 auf gut 1000 aufstocken. „Diese Anschläge waren koordiniert. Ziel war es, die demokratische gewählte Führung von Osttimor zu ermorden“, sagte Premierminister Kevin Rudd. Er wollte an einem geplanten Besuch in Dili in dieser Woche festhalten. In Neuseeland wurden Soldaten für einen möglichen Einsatz in Osttimor in Alarmbereitschaft versetzt.

Rebellenführer Reinado war 2006 bei einer Säuberungsaktion zusammen mit einem Drittel aller Soldaten aus der Armee entlassen worden. Die Soldaten weigerten sich, ihre Waffen niederzulegen, randalierten, und zogen sich als Rebellentruppe in die Berge zurück. Reinado wurde einmal festgenommen, entkam jedoch aus dem Gefängnis. Ramos-Horta und Gusmao hatten seit Monaten vergeblich versucht, mit den Rebellen über ein friedliches Ende ihres Widerstands zu verhandeln. Osttimor wurde erst 2002 unabhängig. Nach dem Abzug der portugiesischen Kolonialherren 1975 überrannte das Nachbarland Indonesien den Ministaat. In einem Referendum sprachen sich die Osttimoresen 1999 mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit aus.

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