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Osterfest hat für die Mehrheit keine religiöse Bedeutung

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erstellt am 21.Apr.2011 | 01:16 Uhr

Kirche, nein danke, hießt bei vielen zu Ostern. Auch traditionelle Bräuche wie Eiersuchen sind längst nicht mehr bei allen üblich. Die Kirche will daran arbeiten, die Bedeutung des Osterfestes zu erklären.

Keine Lust auf Kirche, aber auch nicht zum Eiersuchen: Ostern hat für fast sechs von zehn Deutschen keine religiöse Bedeutung. Und 62 Prozent werden an den Feiertagen zum Gedenken an die Auferstehung Jesu keinen Gottesdienst besuchen. Das ergab eine Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa.

Fast jeder Zweite macht zudem beim Eiersuchen nicht mit. Zugleich läuft eine Debatte, ob ein Tanzparty-Verbot für "stille Feiertage" wie Karfreitag noch in unsere Zeit passt.

Einen Trend zu mehr und teureren Geschenken lehnt eine große Mehrheit ab, wie die am Mittwoch veröffentlichte Umfrage ergab.

Jeder Dritte findet Schenken zu Ostern sogar generell unpassend. Und das, obwohl der Handel schon seit Jahren reichlich Werbung macht und Ostern wohl gern zum zweiten Geschenkerummel nach Weihnachten machen würde.

Die Buchhandelskette Thalia etwa warb mit dem Slogan vom "Hasenfest". Dafür gab es Kritik der Kirchen - das Unternehmen entschuldigte sich.

Gut drei Viertel (76 Prozent) der Männer und Frauen ab 16 Jahren beantworten die Frage, ob sie für einzelne Ostergeschenke mehr als 25 Euro ausgeben werden, jedenfalls weiter mit "Nein". Ein Fünftel (19 Prozent) dagegen belässt es nicht beim Schoko-Hasen, sondern kauft einzelne Ostergeschenke für mehr als 25 Euro.

Jahrhunderte alte Osterbräuche sind nicht bei allen üblich: Am Oster-Wochenende Eier zu verstecken oder zu suchen, ist nur für etwa vier von zehn Befragten Pflicht. Fast die Hälfte (49,3 Prozent) dagegen macht bei der Suchaktion nicht mit.

Die Frage "Hat Ostern für Sie persönlich eine religiöse Bedeutung?" bejahen in der Umfrage rund 40 Prozent. Einen Kirchgang fest eingeplant haben weniger: Sehr sicher sind sich gut 14 Prozent, dass sie über die Feiertage einen Gottesdienst besuchen werden. Knapp ein Viertel (23,3 Prozent) denkt darüber nach. Nein sagen mehr als sechs von zehn Menschen. Ähnliche Ergebnisse hatte auch eine Umfrage vor zwei Jahren gebracht: Damals sagten sogar 69 Prozent, sie wollten zu Ostern nicht in die Kirche.

"Es ist ein Trend, dass weniger Menschen in die Kirche gehen und die Zahl der Konfessionslosen zunimmt", erläuterte Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie an der Universität Münster.

Die Kirchen selbst wollen daran arbeiten, die Bedeutung von Ostern zu erklären. "Und wenn 38 Prozent der Befragten in die Kirche gehen, ist das ein gutes Zeichen - das sind nämlich mehr als doppelt so viel wie an einem normalen Sonntag", sagte Matthias Kopp, Pressesprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der dpa am Mittwoch.

Die gestiegene Bedeutung von Geschenken zu Ostern erklärt der Soziologe Pollack mit den Wünschen der Kinder: "Das liegt an den steigenden Konsumwünschen, man tut das für die Kinder."

Aber man könne auch gegenläufige Tendenzen ausmachen, sagt Pollack. In der Umfrage stimmen 47 Prozent der Aussage zu: "Ich finde es nicht gut, dass die Geschenke an Ostern immer mehr und teurer werden."

Statt in ein Gotteshaus Karfreitag lieber auf eine Party? Debatten darüber, ob das öffentliche Partyverbot noch zeitgemäß ist, gibt es zum Beispiel in Hessen und Nordrhein-Westfalen. In den einzelnen Bundesländern ist es per Gesetz unterschiedlich geregelt, an welchen Feiertagen Rockkonzerte und Tanzpartys verboten sind.

An Ostern feiern Christen die biblisch überlieferte Auferstehung des am Karfreitag gekreuzigten Jesus Christus. Darin sehen sie einen Beleg für das ewige Leben.

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