Oscar-Segen für "Slumdog Millionär"

Danny Boyle küsst entzückt seinen Oscar.
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Danny Boyle küsst entzückt seinen Oscar.

Ein Außenseiter kommt groß raus: Mit acht Oscars triumphierte das Sozialmärchen "Slumdog Millionär". Auch ein deutscher Film war unter den Preisträgern.

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23. Februar 2009, 05:19 Uhr

Hollywood (dpa) - «Slumdog Millionär», mit indischen Laiendarstellern unter schwierigen Bedingungen vom britischen Regisseur Danny Boyle in Szene gesetzt, bekam Oscars unter anderem auch für Drehbuch, Kamera, Schnitt und Musik. Wegen der Beteiligung europäischer, amerikanischer und indischer Künstler und Geldgeber an «Slumdog Millionär» sieht das Fachblatt «Variety» in der Auszeichnung bereits ein deutliches Zeichen für die «zunehmende Globalisierung Hollywoods - und der Oscars». Die Europäische Union hat 830 000 Euro für den internationalen Vertrieb gegeben.

In berauschenden Bildern erzählt der große Oscar-Sieger die märchenhafte Geschichte eines jungen Mannes, der es in der indischen Ausgabe der Quizshow «Wer wird Millionär» bis zur Millionen-Frage gebracht hat. Doch dann wird er der Schummelei verdächtigt. Im Polizeiverhör stellt sich heraus, dass jede seiner korrekten Antworten einen ganz besonderen Bezug zum Leben seiner Familie in den Slums von Bombay und zu seiner großen Liebe hatte.

Auszeichnung für "Spielzeugland"

«Als wir am Anfang standen, hatten wir keine Stars, keine Macht und keine Muskeln», schilderte Produzent Christian Colson die Arbeitsbedingungen. «Alles, was wir hatten, war ein inspirierendes Skript, Leidenschaft und unseren Glauben an die Produktion.» Bundesweiter Kinostart ist am 19. März.

Von den deutschen Oscar-Anwärten konnte allein der Kurzfilm «Spielzeugland» die Jury überzeugen. Regisseur Alexander Freydank (41) breitet in dem Film ein komplexes Minidrama über Lügen und Verantwortung in der Nazizeit aus. Freydank sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) direkt nach der Auszeichnung in Hollywood: Seinen 14 Minuten langen Film habe er aus einem gewissen Ärger heraus gedreht: «Solange es bei uns noch Nazi-Parteien gibt, müssen wir versuchen, etwas dagegen zu tun.»

"Verlieren tut niemand"

Obwohl ihre Oscar-Träume platzten, ließen die Macher des RAF-Films «Der Baader Meinhof Komplex» deshalb den Kopf nicht hängen. Nach der Preisvergabe in Hollywood feierte das Team um Erfolgsproduzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel bis in den frühen Morgen zumindest die Nominierung. «Klar kommt man hierher, um zu gewinnen. Aber verlieren tut niemand», sagt Edel. «Es ist eine unglaubliche Ehre, so weit zu kommen und das alles hier mitzuerleben. Bei der Fußball- Weltmeisterschaft haben die Deutschen ja auch bewiesen, dass man feiern kann, ohne selbst Sieger zu sein.» Auch Schauspielerin Martina Gedeck, beim deutschen Empfang einen Tag zuvor als «Germanys leading lady» vorgestellt, wies jeden Gedanken an Enttäuschung zurück.

Über ihre erste Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin nach insgesamt sechs Nominierungen freute sich Kate Winslet ganz besonders. Die 33-jährige Britin spielt in «Der Vorleser» nach dem Bestsellerroman des Deutschen Bernhard Schlink eine ehemalige KZ- Aufseherin, die in der Nachkriegszeit mit einem Teenager (David Kross) ein Liebesverhältnis beginnt.

"Fantastische Leistung für die britische Filmindustrie"

«Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte diese Situation noch nie geprobt», sagte Winslet mit dem «Goldjungen» im Arm. «Schon mit acht Jahren stand ich im Badezimmer und hatte als Preis die Shampoo-Flasche in der Hand.»

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown würdigte die Oscars für «Slumdog Millionär» und Winslet am Montag als «eine fantastische Leistung für die britische Filmindustrie, die die Welt in Sachen Film nun anführt.»

Bester Hauptdarsteller wurde Sean Penn (48) für seine Rolle als charismatischer Schwulen-Politiker in dem Drama «Milk». Der Hollywood-Rebell richtete sich nach dem zweiten Oscar seiner Karriere wütend gegen die jüngst erfolgte Wiederabschaffung der Homo-Ehe in Kalifornien und forderte «gleiche Rechte für alle».

Oscar für Heath Ledger

Als Moderator der Gala-Show, die weltweit im Fernsehen übertragen wurde, glänzte der Australier Hugh Jackman (40). Der Schauspieler («X-Men», «Australia») spielte mit seinem Image als «Sexiest Man Alive» und zeigte, dass er nicht nur fabelhaft aussehen, sondern auch singen, tanzen und plaudern kann.

Genau 13 Monate nach seinem Tod ist Jackmans Landsmann Heath Ledger erwartungsgemäß mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Der Schauspieler war am 22. Januar 2008 im Alter von 28 Jahren mit einer Medikamentenüberdosis im Blut tot in seiner New Yorker Wohnung gefunden worden. Ledger wurde für seine Rolle als wahnsinniger Bösewicht Joker in dem Batman-Film «The Dark Knight» geehrt. «Wir sind glücklich darüber, was du erreicht hast», sagte eine seiner Schwestern mit tränenerstickter Stimme, als sie den Preis für den Star entgegen nahm.

Brad Pitt geht leer aus

Beste Nebendarstellerin wurde die spanische Schauspielerin Penélope Cruz mit der Komödie «Vicky Cristina Barcelona» von Woody Allen. Als bester Animationsfilm wurde «Wall-E» aus dem Hause Disney ausgezeichnet.

Verlierer des Abends ist «Der seltsame Fall des Benjamin Button». Der Film mit Brad Pitt und Cate Blanchett galt als klassisches «Oscar-Material» mit einer episch und aufwendig erzählten Geschichte. Doch nach insgesamt 13 Nominierungen gab es nur drei Oscars in weniger wichtigen Kategorien wie Ausstattung und Spezialeffekte.

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