Organspende-Bereitschaft im Land auf dem Tiefpunkt

Foto: dpa
Foto: dpa

von
31. Mai 2013, 11:46 Uhr

Die Bereitschaft, nach dem Tod Organe zu spenden, ist in Mecklenburg-Vorpommern so gering ausgeprägt wie noch nie zuvor. "Während im Jahr 2010 lediglich 23 Prozent all derer, die einen Organspendeausweis besaßen, schriftlich dokumentierten, dass sie eine Organspende ablehnten, waren es 2011 bereits 25 Prozent und 2012 sogar 40 Prozent", erklärt der Transplantationsbeauftragte der Universitätsmedizin in Greifswald, Prof. Dr. Frank Feyerherd, im Vorfeld des morgigen Tages der Organspende. Er beruft sich dabei auf Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Diese belegen für die Region Nord-Ost, zu der unsere Land gehört, auch einen deutlichen Rückgang der erfolgten Organspenden. Waren es 2011 in MV noch 34 Spender, denen nach ihrem Tod insgesamt 121 Organe entnommen werden konnten, sanken die Zahlen 2012 auf 27 Spender und 93 Organe. Der Nordosten ist damit keine Ausnahme. Bundesweit - außer in Nordrhein-Westfalen - ging die Spendenbereitschaft im letzten Jahr spürbar zurück, konstatiert Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie an der Rostocker Universitätsmedizin. Er verantwortet am einzigen Transplantationszentrum des Landes die Nierentransplantationen. "Während wir sonst um diese Zeit im Jahr bereits 30 Nieren transplantiert hatten, sind es aktuell erst zehn", bedauert er und sieht einen direkten Zusammenhang zu den in den letzten Monaten aufgedeckten Transplantations skandalen: "Sie alle bezogen sich allerdings auf die Leber, bei der Vergabe von Spendernieren gab es nie Unregelmäßigkeiten." Von den rund 11 000 Menschen, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten, brauchen knapp 8000 eine neue Niere. Auf den Wartelisten stehen aktuell 287 Mecklenburger und Vorpommern.

"Das Vertrauen zum medizinischen Tun ist infolge der aufgedeckten Manipulationen bei der Organvergabe deutlich zurückgegangen", so Prof. Feyerherd. Es gelte, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Dass die Krankenkassen jetzt ihre Versicherten über die Organspende informieren würden, sei ein richtiger Schritt, dem aber weitere folgen müssten, so Prof. Hakenberg. Mit der AOK-Nordost hat jetzt auch die größte Kasse im Land damit begonnen, an rund 400 000 Versicherte in MV Organspendeausweise zu verschicken. "Vermehrte Anfragen in unseren Geschäftsstellen und an unserer Telefonhotline sowie die Zugriffe auf unsere Online-Entscheidungshilfe zeigen, dass das Thema Organspende viele Menschen bewegt", so AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen