Operation Klinik-Verkauf - was bringt es dem Patienten?

von
08. April 2008, 08:07 Uhr

Rostock - Wenn Private Kliniken aufkaufen und für die öffentliche Hand als medizinischer Versorger einspringen, dann hält die Betriebswirtschaft Einzug in den Operationssaal. „Das kann durchaus auch positive Effekte haben“, sagt Patienten-Lobbyist Zimmermann. Denn kommunale Krankenhäuser hätten sich in der Vergangenheit durch erhebliche Misswirtschaft ausgezeichnet.

Der Allgemeine Patienten-Verband rechnet mit bis zu 70 Milliarden Euro, die jährlich durch schlechtes Krankenhausmanagement in Deutschland verpulvert werden. Gewinnorientierte Kliniken können sich das nicht leisten. Für die Rostocker Südstadtklinik gilt diese Kritik nur bedingt. Seit mehr als acht Jahren ist sie Eigenbetrieb der Stadt – zwar offiziell Bestandteil der Verwaltung, allerdings frei von vielen bürokratischen Hürden.

„Private betreiben Patienten-Auslese“
Ein Klinik-Verkauf führe von Fall zu Fall zu einer besseren technischen Ausstattung, sagt Zimmermann. Denn private Investoren haben es auf den Patienten als Kunden abgesehen. Ein hochmoderner Kernspintomograph könnte Nachfrage und Gewinn steigern und käme den Patienten zu gute – wenn sie denn behandelt werden.

„In der Auslese von Patienten liegt die große Gefahr einer Privatisierung“, schildert Zimmermann. Denn besonders komplizierte Fälle bedeuten auch besonders hohe Kosten. Im Patienten-Verband laufen fast täglich Beschwerden von so genannten „multimorbilen Kranken“ ein. Patienten, die beispielsweise mit Diabetes, Demenz und einer schweren Herzerkrankung von privaten Kliniken vertröstet oder sogar abgewiesen werden, weil „ein junger Blinddarm-Patient mit höheren Gewinnen operiert werden kann“. Auch die Schere zwischen Privat- und Krankenversicherten wird weiter aufgehen, prognostiziert Zimmermann. Von den Top-Ärzten, die die Klinikleitung möglicherweise einstellt, werden die meisten nichts haben.

Nachteile eines Klinik-Verkaufs an Dritte treffen vor allem das Personal in den unteren Einkommensklassen. Stellen werden abgebaut, Aufgaben gebündelt, Gehälter gekürzt. Das habe „gestresste Schwestern und Pfleger“ sowie deutlich höhere Wartezeiten für Patienten zur Folge, sagt Zimmermann. Bestes Beispiel die LBK-Klinik in Hamburg – eine der ersten privatisierten Krankenhäuser in Deutschland. Eine Klausel erlaubt es jetzt den Beschäftigten, wieder in die Kommunalverwaltung zurückzukehren. 2000 Mitarbeiter werden dies tun.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen