Bedrohte Bahnhöfe : Ohne Fahrgäste keine Chance

Kaum genutzte Bahnhöfe in Brandenburg könnten womöglich geschlossen werden.
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Kaum genutzte Bahnhöfe in Brandenburg könnten womöglich geschlossen werden.

Ein Landrat schließt den Verlust von Bahnstationen nicht aus.

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04. Juli 2014, 07:42 Uhr

Kaum frequentierte Bahnhöfe sind nach Ansicht von Oder-Spree-Landrat Manfred Zalenga (parteilos) auch nicht durch eine bessere Einbindung in den Busverkehr zu retten. Es sei keine Lösung, einen Bus für zwei Leute fahren zu lassen. Zalenga, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ist, forderte die Bahn stattdessen auf, die Strecken gerade in der Fläche zu ertüchtigen und damit attraktiver zu machen.

Zalenga reagierte damit auf die Ankündigung des Brandenburger Verkehrsministeriums, mit den Landkreisen darüber sprechen zu wollen, wie mit Bussen mehr Fahrgäste zu günstigen Zeiten zu den Bahnhöfen gebracht werden können. Einer Landesstatistik zufolge steigen an 73 Stationen in Brandenburg täglich weniger als 50 Reisende ein und aus. 60 Haltepunkte stünden deshalb unter Beobachtung, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Der Bahnkundenverband hatte davor gewarnt, dass das Land diese zwischen der Wahl im September und dem nächsten Fahrplanwechsel schließen wolle.

Zalenga macht eine Schließung auch vom Investitionsaufwand abhängig. Bis 2022 müssten alle Haltepunkte barrierefrei sein, was mit Investitionskosten verbunden sei. „Da muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein“, betont Zalenga und nennt als Beispiel den Bahnhof Schneeberg (Oder-Spree) mit lediglich 150 Einwohnern. Es sei abzuwägen, ob es Sinn macht, diese Station zu schließen oder aber barrierefrei umzubauen, „damit vielleicht alle fünf Jahre ein Rollstuhlfahrer dort einsteigt. Das ist alles Steuergeld“, sagt Zalenga.

Der uckermärkische CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen macht sich indes für den Erhalt der Bahnhöfe stark und verlangt von der Landesregierung, den Brandenburgern vor der Wahl reinen Wein einzuschenken: „Die Entscheidung über die Schließung von Bahnhaltestellen mit geringer Fahrgastauslastung auf die Zeit nach der Landtagswahl zu verschieben, ist unredlich“, reagiert er auf die Aussage des Verkehrsministeriums, 60 der 73 Bahnhöfe mit weniger als 50 Reisenden am Tag zu beobachten. Das Land habe einen Versorgungsauftrag. „Auch wenn bedingt durch die geringere Einwohnerdichte weniger Fahrgäste in der Peripherie die Bahnangebote nutzen: Die Bahnverbindungen sind für die Menschen in den berlinfernen Regionen Lebensadern“, erklärt Koeppen.

Eine Umstellung auf Busse ist für den Politiker keine Lösung. Erfahrungen würden zeigen, dass dies letztlich zum Wegfall des Gesamt-Angebots führe.

Stattdessen fordert Koeppen, die vom Bund jährlich für den Nahverkehr bereitgestellten Regionalisierungsmittel nicht zweckentfremdet für die leeren Züge zum Flughafen BER einzusetzen.

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