Obdachlose bleiben in der Stadt

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30. Januar 2013, 09:27 Uhr

Wittenberge | Die Obdachlosen hier in der Stadt werden nicht irgendwo auswärts in der Einrichtung eines freien Trägers untergebracht, sondern sollen in Wittenberge in der 1995/96 umfassend instandgesetzten und gut ausgestatteten Unterkunft in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße bleiben: So wollen es die Mitglieder im Sozialausschuss des Stadtparlaments. Die Meinungen, ob die Obdachlosenunterkunft dazu unbedingt in kommunaler Hand bleiben muss, gingen während der Diskussion am Montagabend in der Ausschusssitzung auseinander.

Allerdings spricht der Antrag, dem die Ausschussmitglieder am Ende der Debatte ohne Ausnahme zustimmten, für die Stadt auch als künftiger Betreiber. Denn auf Vorschlag von Lutz Dieckmann (UBG) soll die Verwaltung prüfen, ob ein geeigneter Mitarbeiter aus ihren Reihen künftig bis zu 20 Wochenstunden als Betreuer in der Obdachlosenunterkunft tätig sein kann. Wie Dieckmann sagt, sollte dieser Betreuer quasi als "eine Art Nabelschnur fungieren zwischen den Obdachlosen und den menschlichen wie verwaltungstechnischen Aufgaben, die für sie und mit ihnen zu klären sind".

Eine optimalere soziale Betreuung der Wohnungslosen in der Wittenberger Einrichtung ist es auch, die den Sozialausschuss seit Ende des vergangenen Jahres darüber nachdenken lässt, ob sich für die Aufgabe nicht ein freier Träger finden lässt. Derzeit sorgt im Auftrag der Stadt der Mitarbeiter einer geförderten Arbeitsmaßnahme sich um das Notwendigste.

Die Kommune hat bei der Suchthilfe, dem DRK und bei der Awo nachgefragt. Suchthilfe und DRK haben abgesagt, so die stellvertretende Bürgermeisterin Waltraud Neumann. Noch im Rennen ist damit als freier Träger die Arbeiterwohlfahrt, die in Groß Pankow eine Einrichtung unterhält ( "Prignitzer" berichtete).

Für Dr. Gisela Bartels (CDU) kommt ein Umzug nicht in Frage: "Wir brauchen die Unterkunft in Wittenberge." Ob die Awo diese dann übernehme, sei eine andere Frage. Christian Elger (Linke) will ebenfalls, "dass die Einrichtung hier bleibt." Wichtig ist ihm die soziale Betreuung entweder über die Stadt oder einen freien Träger.

Dieckmann: Scharfe Worte an die Verwaltung

Mit sehr viel Nachdruck vertiefte Dieckmann seine Position, die er bereits in die Ausschussdebatte Ende November einbrachte: Wittenberge ist ein sozialer Brennpunkt. Die Unterkunft hier in der Stadt zu haben und sie als Kommune zu betreiben, bedeute, auf soziale Konfliktsituationen Einfluss nehmen zu können, sie zu entschärfen. Das Obdachlosenheim gehöre in die Hände der Stadt. Und Dieckmann ließ es nicht bei Argumenten. Mit scharfen Worten forderte er von der Verwaltung, vertreten durch die stellvertretende Bürgermeisterin Waltraud Neumann, "dass wir Abgeordnete als Ihr Dienstherr in die Entscheidungen einbezogen werden". Er unterstelle nichts, aber er bitte dringend, keine Deals oder Absprachen ohne die Abgeordneten vorzunehmen. Als Beleg dafür, dass seine Sorge begründet sei, führte der UBG-Abgeordnete das Bürgerzentrum mit der Finanzierung an.

Worte, die Wolfgang Strutz, Ausschussvorsitzender und Parlamentsvorsteher, so nicht stehen ließ: "Ich weise das zurück." Von hinterhältig und vorsätzlich könne nicht die Rede sein. "Ich kann nur sagen, der Bürgermeister geht offen und ehrlich mit uns Abgeordneten um." "Ich habe keine Geheimprojekte, sondern will von Ihnen als Abgeordnete wissen, wie wir weiter verfahren", wies auch die stellvertretende Bürgermeisterin Dieckmanns Worte zurück. Der Abgeordnete entschärfte seine Formulierung, statt "Deal und Absprache" sprach er von "unglücklicher Entscheidungsfindung."

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