"Obama steht für Verlässlichkeit"

Klaus Stuttmann
Klaus Stuttmann

von
07. November 2012, 08:18 Uhr

Was hat im Kampf ums Weiße Haus den Ausschlag gegeben?

Perthes: Barack Obamas Sieg war klar und eindeutig. Er hat nicht nur in den großen Städten gewonnen, sondern auch in eher ländlich geprägten Staaten. Mitt Romney konnte die Herzen potenzieller Wechselwähler nicht erobern, die grundsätzlich bereit wären, einen republikanischen Kandidaten zu unterstützen. Diese Zielgruppe hat im Zweifel eher Obama als Romney vertraut.

"Yes, we can", hieß es vor vier Jahren. War es dieses Mal nicht ein weniger glanzvoller Sieg für Obama?

Etwas Skepsis gegenüber dem amtierenden Präsidenten ist normal. Das gab es auch jetzt. Dennoch: Obama hat im Wahlkampf gezeigt, dass er in seinen ersten vier Jahren im Weißen Haus viel bewegt und erreicht hat.

Kritische Stimmen behaupten, dass der Hurrikan "Sandy" in den letzten Tagen des Wahlkampfes den Ausschlag für Obamas Sieg gegeben hätte. Davon kann keine Rede sein. Obama hat die Schlacht um die politische Mitte für sich entschieden.

Welche Auswirkungen hat die Wiederwahl Obamas für das transatlantische Verhältnis?

Wir Europäer wissen jetzt, mit wem wir es in den nächsten vier Jahren im Weißen Haus zu tun haben. Romney war schwer einzuschätzen. Obama steht für Verlässlichkeit. Die Grundlinien seiner Politik wird er beibehalten. Dazu gehört der Verzicht auf Alleingänge in der Außenpolitik und ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus. Amerikanische Präsidenten sind in ihrer zweiten Amtszeit meist durchsetzungsstärker und in besonderem Maße auf die Außenpolitik gerichtet. Jetzt müsste Obama seinen Ankündigungen Taten folgen lassen und sich stärker um Frieden in Nahost bemühen.

Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Barack Obama gilt als kühl und sachlich: Wie stehen die Chancen für einen engeren Schulterschluss?

Eine Annäherung zwischen beiden ist möglich. Sie wissen, was sie eint und was sie trennt. Beide verfolgen eine grundsätzlich andere finanzpolitische Philosophie und daran wird sich auch nichts ändern. Obama und Merkel wissen aber, dass sie in den großen weltpolitischen Fragen zusammenarbeiten müssen. Europa liegt ohnehin mehr auf der Linie des gewählten Präsidenten als auf der von Romney. Obama steht zum Beispiel für das unbedingte Bemühen um eine friedliche Lösung im Atomkonflikt mit Iran.

Hier besteht die begründete Hoffnung auf einen Neustart der Gespräche, auf eine dip lomatische Lösung ohne Krieg.

Werden die Republikaner Obamas Politik im Kongress nicht auch in Zukunft auf das Schärfste bekämpfen?

Obama steht jetzt vor der Herausforderung, die politische Spaltung und die Lagerbildung in den Vereinigten Staaten zu überwinden. Nach der zweiten Wahlniederlage in Folge werden sich die Republikaner neu aufstellen.

Sie werden erkennen, dass sie die wichtigsten Probleme des Landes nur mit dem Präsidenten lösen können und nicht gegen ihn.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen