Nur noch ein Nadelöhr

Seit gestern rollen die Züge über die Warnow-Brücke bei Eickhoff über das rechte neue Gleis. Gleichzeitig begann auf der rechten Seite der Abriss der Brücke. Bis zum November soll sie neu gebaut werden. Danach ist die Strecke Blankenberg-Warnow zweigleisig und mit Tempo 160 befahrbar. Foto: Michael Beitien
Seit gestern rollen die Züge über die Warnow-Brücke bei Eickhoff über das rechte neue Gleis. Gleichzeitig begann auf der rechten Seite der Abriss der Brücke. Bis zum November soll sie neu gebaut werden. Danach ist die Strecke Blankenberg-Warnow zweigleisig und mit Tempo 160 befahrbar. Foto: Michael Beitien

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15. August 2008, 08:06 Uhr

Blankenberg - Um vier Minuten verkürzen sich die Fahrtzeiten auf den elf Kilometern zwischen Blankenberg und Warnow mit dem Fahrplanwechsel im Dezember. Das erklärte Manfred Marucha, Projektleiter der Bahn.

Die Bahn hat damit einen weiteren Abschnitt der Strecke zwischen Lübeck und Stralsund auf Tempo 160 ausgebaut. Bisher konnten die Züge zwischen Warnow und Blankenberg nur mit maximal 120 km/h fahren. Auf mehreren Abschnitten war die 150 Jahre alte Eisenbahnstrecke sogar so marode, dass die Loks auf 50 km/h abbremsen mussten. Das betraf beispielsweise die Brücke über die Warnow bei Eickhof.

Diese Brücke ist das letzte Nadelöhr. Der Bau hat sich verzögert. Aus alten Zeichnungen war bekannt, dass sie mit Holzpfählen gegründet ist. Nicht bekannt waren indes die großen Granitsteine unterhalb des Fundaments. Weshalb das Bauwerk erst einseitig erneuert werden konnte. Die andere Hälfte folgt bis zum November.

Der Rest der Strecke zwischen Blankenberg und Warnow ist so gut wie fertig. Seit Dezember 2006 wurde zunächst der eine und danach der andere Bahndamm einschließlich Schienenstrang und Oberleitungen von Grund auf saniert.

Die Eisenbahntrasse quert morastige Flächen. Hier mussten zur Stabilisierung des Bahndamms bis zu 25 Meter tiefe Säulen aus Kies im Erdreich verbaut werden. Auf solchen schwierigen Grund stießen die Eisenbahnbauer beispielsweise bei Blankenberg und bei Penzin. An der Warnow bei Eickhof stützen jetzt etwa 20 Meter lange Betonsäulen den Bahndamm – an der Stelle, wo früher einmal die Warnow entlang floss. Sie war im 19. Jahrhundert beim Bahnbau umverlegt worden.

Um Baufreiheit für den zweiten Teil der Brücke über diesen Fluss zu gewährleisten, rollt seit gestern der Schienenverkehr auf dem nagelneuen Gleis auf der rechten Teil der Strecke zwischen Blankenberg und Warnow.

Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten wurde auch die gesamte Signaltechnik erneuert. Konnte bisher jeweils nur ein Zug auf dem Abschnitt unterwegs sein, so sind es künftig zwei hintereinander.
Nach der Inbetriebnahme der zweigleisigen Strecke gibt es allerdings ein neues Nadelöhr. Denn ab Dezember fahren die Züge zwischen Blankenberg und Ventschow nur eingleisig. Grund ist der Bau eines Tunnels. Die neue Autobahn zwischen Jesendorf und Cambs soll unter der Eisenbahnlinie entlang führen.

Seit gestern Abend wird am Bahnübergang in Blankenberg gebaut. Susan Saß, eine Sprecherin der Bahn, sagte, dass neue Signaltechnik mit Halbschranken installiert wird. Zudem soll die Straße mit neuen Platten angeglichen werden.

Die gröbsten Belästigungen für die Anwohner sind offenbar vorbei. Die Tierwelt hatte auch zwischendurch Ruhe. Als von Mai bis Juli Seeadler und Kraniche brüteten, durfte auf bestimmten Abschnitten nicht gebaut werden.


Hingergrundinfo



Der Bahnabschnitt Blankenberg-Warnow ist Teil der Eisenbahnstrecke Lübeck – Strasburg. Ausgebaut wurden 11,5 Kilometer mit 23 Kilometer Fahrleitungen. Vier Brücken wurden neu errichtet, davon zwei bei Penzin. Der Ausbau kostet 45 Millionen Euro, davon kommt etwa die Hälfte von der EU. Ab November 2008 wird die Strecke zweigleisig für Tempo 160 in Betrieb genommen.
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