Nur jeder zehnte Baum gesund

Jörg Harmuth vom Stadtforstamt Foto: Georg Scharnweber
Jörg Harmuth vom Stadtforstamt Foto: Georg Scharnweber

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09. Februar 2008, 03:24 Uhr

Rostock - Der Kronenzustand von Fichten, Buchen und Eichen hat sich deutlich verschlechtert besagt der Waldzustandsbericht 2007. „Die Bilanz des Stadtwaldes fällt weniger optimistisch als die des Landes aus“, sagt Forstamtsleiter Jörg Harmuth.

„Nur noch jeder zehnte Baum in der Rostocker Heide ist gesund“, sagt Fortsamtsleiter Jörg Harmuth. „Damit stellen sich unsere Bilanzen zum Waldschadensbericht des Landes weniger optimistisch dar.“


Rostocker Heide kränker als Wälder im Land
Der 6000 Hektar große Rostocker Stadtwald wird nach dem gleichen System geprüft. „Es gibt ein Probeflächennetz, das bei uns 384 Bäume verschiedener Arten umfasst“, erklärt der Forst-Experte. Es werden stets die gleichen Bäume betrachtet. Während landesweit 35 Prozent des analysierten Baumbestandes gesund ist, sind es in der Rostocker Heide zehn Prozent.

„Die Bäume leiden unter dem Klimawandel“, sagt Harmuth. Als langlebige Lebenwesen zeigen sie schleichende Vitalitätsverluste. Statt kalter Winter gibt es hier oft starke Niederschläge. Harmuth vergleicht: „Wenn ein Norweger plötzlich immer in Ägypten leben muss, wird er Anpassungsschwierigkeiten ans Klima bekommen. So ähnlich ergeht es dem Wald mit den Auswirkungen des Klimawandels.“

Bedenkliches Kohlekraftwerk
Im bundesdeutschen Vergleich schneidet der Wald von Mecklenburg-Vorpommern noch sehr gut ab. „Wir sind ja auch von der Industrie relativ gering besiedelt“, erklärt Harmuth. Er gibt zu bedenken, dass solche Vorhaben wie das Kohlekraftwerk Lubmin und unser Steinkohlekraftwerk mit dem Kohlendioxid-Ausstoß das Klima auf die Dauer ruinieren. „Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn sich der Waldzustand verschlechtert“, mahnt er und ergänzt: „Daher ist es bei der Ansiedlung solcher Vorhaben eine wichtige politische Entscheidung, welche Art Werk mit welcher Technologie eingesetzt wird.

Auch wenn der Wald eine Menge Schäden selbst abpuffern kann, kommt er irgendwann an seine Grenzen. Neben ausreichend Stellen für motivierter Förster, die sich um den Bestand kümmern, sind transparente Qualitätsprüfungen perspektivisch eine wichtige Sache. Aus dem Grund gibt es das Zertifikat Forest Stewardship. Das Forstamt erhielt es bereits im Jahre 2000 und war Vorreiter in MV. Diese Auszeichnung gibt es für vorbildliche-ökologische und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Im Stadtwald betrifft das eine Fläche von 3500 Hektar.

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