Nur ein „Rot“ für das Dach

Helmut Fischer nimmt gemeinsam mit Ute Breitsprecher die Therme in Augenschein. Nach Rot für Dach, Kellerdecke und Rohre gab es für die Technik wenigstens ein Orange.foto: Kathrin Neumann
Helmut Fischer nimmt gemeinsam mit Ute Breitsprecher die Therme in Augenschein. Nach Rot für Dach, Kellerdecke und Rohre gab es für die Technik wenigstens ein Orange.foto: Kathrin Neumann

So läuft der Energie-Check. Der Blick auf den Dachboden bringt es schnell zu Tage – weder die Decke noch das Dach sind gedämmt. Das gibt ein „Dunkelrot“. „Durch das Dach gehen rund 35 Prozent Energie verloren.“, sagt der Heizungsbauer

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09. Oktober 2008, 11:00 Uhr

Schwerin - Beim Blick in die Heizkosten-Abrechnung des vergangenen Jahres, ist es gleich klar. „Ihr Haus benötigt zu viel Energie. Rund 211 kWh je Quadratmeter – das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zu einem Nachwendehaus und sogar das Vierfache des Bedarfs eines Niedrigenergiehauses KfW 60“, erklärt Helmut Fischer. Deren Werte sind für Ute Breitsprecher Utopie. Aber ihre Doppelhaushälfte ist ja auch schon 75 Jahre alt. Doch die hohen Heizkosten waren der Schwerinerin schon immer ein Dorn im Auge. „Ich habe mich die ganzen Jahre über gefragt, warum andere so viel weniger verbrauchen, obwohl wir sparen, wo es geht“, erzählt sie. „Da finde ich es gut, dass jetzt einmal jemand schaut, was man machen kann.“

Urteile von Hellgrün bis Dunkelrot
Ute Breitsprecher hatte sich im Internet auf der Seite der Initiative „Haus sanieren – profitieren“ einen Handwerker gesucht, der den kostenlosen Energie-Check anbietet. Zwei Tage später stand Heizungsbaumeister Helmut Fischer aus Schwerin vor ihrer Tür, in der Hand einen großen Fragebogen mit vielen bunten Kästchen.

„Rot steht für einen energetisch ganz schlechten Zustand, bei dem es sich lohnen würde, sofort etwas zu tun“, sagt Helmut Fischer. „Gelb heißt, dass man in den nächsten Jahren mal darüber nachdenken sollte, bei Grün ist alles in Ordnung.“ Und dann zückt er den Kugelschreiber, notiert Baujahr, die Größe der beheizten Wohnfläche und die Zahl der Geschosse. „Ist die Decke gedämmt?“ Ute Breitsprecher kann es nicht auf Anhieb sagen. Der Blick auf den Dachboden bringt es schnell zu Tage – weder die Decke noch das Dach sind gedämmt. Das gibt ein „Dunkelrot“. „Durch das Dach gehen rund 35 Prozent Energie verloren. Mit einer Dämmung könnte man da einiges einsparen“, sagt der Heizungsbauer, der extra eine Schulung besucht hat, um den Energie-Check machen zu können.

Etwas weniger Rot ist das Urteil über die Dämmung der Fassade. Wenigstens die Fenster, die wie die Dacheindeckung nach der Wende erneuert worden waren, schaffen ein Orange. Die Therme auch, und trotzdem könne die Schwerinerin mit einer Investition in diesem Bereich sparen. „Moderne Thermen mit Brennwerttechnik arbeiten viel sparsamer“, erklärt Helmut Fischer. Sie nutzen die Kondensationswärme des Wasserdampfes im Abgas und können optimal auf den Bedarf abgestimmt werden. Auch die Kellerdecke und die Rohrleitungen, die nur mäßig gedämmt aus der Wand kommen, bringen nur einen Kreis rund um das rote Kästchen.

„Da muss man wohl mal etwas Ordentliches machen“, ist Ute Breitsprechers Urteil nach Gespräch und Rundgang mit Helmut Fischer. Und diese Erkenntnis deckt sich mit der Empfehlung ihres Energie-Checks. Ab einem Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser von etwa 200 kwh je Quadratmeter wird dringend zu einer Sanierung geraten. Neubaustandard wären im Vergleich dazu nur 80 bis 120 Kilowattstunden.

Nur der allererste Schritt zum sparsamen Haus

Nach Abschluss des Energie-Checks bekommt Ute Breitsprecher nicht nur den ausgefüllten und unterschriebenen Fragebogen in die Hand, sondern auch eine Informationsbroschüre. Diese informiert unter dem Titel „Mehrwert statt Mehrkosten“ über energiebewusstes Verhalten, Wärmedämmung und verschiedene Möglichkeiten des Heizens und der Warmwassererzeugung von B wie Brennwertheizung bis W wie Wärmepumpen. Und sie gibt dem Hauseigentümer einen Fahrplan an die Hand, wie er Schritt für Schritt zum energetisch sanierten Haus kommt. Denn der Energie-Check des Handwerkers kann nur der allererste kleine Schritt sein. „Dem sollte eine ausführliche Energieberatung folgen“, erklärt Martin Fellbaum von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Die detaillierte Berechnung sei unter anderem wichtig, um für den Umbau zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau beantragen zu können. Und sie helfe, das große Ganze im Auge zu behalten: „Wer seine Fenster austauscht, ohne sich die Außendämmung anzuschauen, zahlt unter Umständen doppelt“, so Fellbaum.

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