Russland: Der Erfolg überrascht im eigenen Lande am meisten : Nun wollen es die Kritiker ja schon immer gewusst haben

Die Galavorstellung der Russen beim 3:1 über die Niederlande hat alle Welt überrascht. Kein Wunder, denn für den russischen Fußball interessiert man sich herzlich wenig - außer, dass Roman Abramovich Unsummen in den FC Chelsea investiert. Wo aber war das Erstaunen über die EM-Erfolge am größten? In Russland selbst!

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26. Juni 2008, 11:58 Uhr

Nun wollen es die Kritiker ja schon immer gewusst habenRussland: Der Erfolg überrascht im eigenen Lande am meistenDie Galavorstellung der Russen beim 3:1 über die Niederlande hat alle Welt überrascht. Kein Wunder, denn für den russischen Fußball interessiert man sich herzlich wenig - außer, dass Roman Abramovich Unsummen in den FC Chelsea investiert. Wo aber war das Erstaunen über die EM-Erfolge am größten? In Russland selbst! Die Galavorstellung der Russen beim 3:1 über die Niederlande hat alle Welt überrascht. Kein Wunder, denn für den russischen Fußball interessiert man sich herzlich wenig - außer, dass Roman Abramovich Unsummen in den FC Chelsea investiert. Wo aber war das Erstaunen über die EM-Erfolge am größten? In Russland selbst!
Trotz des Aufwärtstrends unter Guus Hiddink hat kaum ein Russe seiner Mannschaft ein solches Abschneiden zugetraut. Dazu hat sie in der Qualifikation und in der Vorbereitung zu schwankend gespielt. Ohne die Hilfe der Kroaten, die 3:2 in England gewannen, wären die Russen gar nicht erst zur EM gefahren. Sie quälten sich zur gleichen Zeit in Andorra zu einem 1:0 und waren dabei so nervös, dass ihr Star Arshavin wegen Nachtretens vom Platz flog und für die ersten zwei EM-Spiele gesperrt war.Hiddink traf von Anfang an auf beträchtliche Vorbehalte. Er war der erste Ausländer, der die Nationalmannschaft Russlands trainierte. Viele fühlten sich in ihrem Stolz verletzt und besonders die heimischen Trainer verfolgten argwöhnisch jedes Wort, jede Maßnahme des Holländers, den der "Sport-Express" noch kurz vor der EM als "Despoten" bezeichnete. Hiddinks Parole im Trainingslager in Rottach-Egern, "wir haben nichts zu verlieren", wurde gleich gegen ihn verwendet. "Ha, ha, wir haben ja schon verloren!"Nach dem 2:0 über Schweden deutete sich eine Wende an, als die Spieler ihren Trainer mit Lob überschütteten. Doch die russischen Fans blieben zurückhaltend. Mehr als 1000 der 5200 zugeteilten Karten für das Viertelfinale wurden zurückgegeben, worauf die UEFA prompt das Kontingent fürs Halbfinale um 1000 Karten kürzte. Der Sieg im Viertelfinale, vor allem die Art, wie die russische Mannschaft die Holländer beherrschte, verschlug zunächst Anhängern und Kritikern daheim die Sprache.Es waren die Fans, die als erste reagierten. In Moskau und anderen Metropolen überschwemmten sie die Straßen und Plätze - obwohl es dort weit nach Mitternacht war, als das Spiel in Basel endete. Als die Experten die Sprache wiedergefunden hatten, übertrafen sie sich gegenseitig mit Lobeshymnen und so mancher behauptete, schon immer gewusst zu haben, dass Hiddink eine große Mannschaft geschaffen hat.kicker-Herausgeber Karl-Heinz Heimann ist seit Jahren ein intimer Kenner des russischen Fußballs.

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