Nummernschild ohne Strich - 500 Euro Strafe?

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11. November 2012, 07:26 Uhr

Schwerin | Kleiner Strich, großer Ärger? Autofahrer entlang der polnischen Grenze sind zu Hunderten verunsichert. In den KfZ-Zulassungsstellen auf deutscher Seite finden sich fast täglich lange Schlangen. "69 Antragsteller haben wir fertig, 176 sind noch in der Warteschleife", listet Bärbel Krause, Sachbearbeiterin in der Pasewalker Kfz-Zulassungsbehörde, an diesem Morgen auf. Die Autobesitzer wollen ihn loswerden: den unauffälligen aber missliebigen Strich in der Kfz-Zulassung zwischen Ortskürzel und den Buchstaben bzw. Zahlen.

Der Grund für die Verunsicherung: In Polen würden Bußgelder verlangt, weil die Schreibweise auf dem Nummernschild mit der in der Zulassung nicht übereinstimmt, berichten Bürger immer wieder. Der kleine Bindestrich zwischen der Ortskennung und den folgenden Buchstaben soll weg. Steht auf dem Kennzeichen am Auto zum Beispiel LRO AB 123. In der Zulassung kann aber LRO-AB 123 stehen. Von 500 Euro Strafgeld ist die Rede. Aber auch die Autofahrer, die sich jetzt neue Papiere geholt haben, sind sauer - auf die deutschen Behörden. Denn die Zulassung ohne Strich kostet ebenfalls Geld: Um die elf Euro, je nach Behörde.

Aber im Polizeipräsidium in Neubrandenburg ist bislang noch keine Anzeige eingegangen. Auch im benachbarten Brandenburg gibt es keinen einzigen Autofahrer, der sich bei der Polizei gemeldet hat. Beim Bundesverkehrsministerium in Berlin hat man davon hingegen gehört. Bereits im Sommer gab es solche Geschichten aus Österreich und Italien. "Wegen eines Bindestrichs kommt aber kein deutscher Autofahrer im Ausland in die Bredouille", beruhigte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Die Rechtslage sei eindeutig: "Die abweichende Ausführung des Kennzeichenschildes mit der Eintragung in der Zulassungsbescheinigung ist altbewährt und vor allem auch zulässig", heißt es aus Berlin. Ob nun mit Trennstrich oder ohne in der Zulassung - beide Schreibweisen sind gültig und das wüssten auch die Polizisten im europäischen Ausland. Bereits 2006 wurde die Zulassungsverordnung in den Ländern der Europäischen Union angeglichen. Das heißt, eine neue Zulassung braucht sich kein Autofahrer zu holen. Auch die polnische Botschaft beruhigt: Solche Fälle gebe es nicht, selbst bei schweren Verkehrsvergehen würden nur maximal 500 Zloty, 125 Euro, fällig.

Sollten man dennoch zur Kasse gebeten werden, rät der ADAC, sich auf jeden Fall eine Quittung geben zu lassen. Darauf müssen der Name des Polizisten, Datum und Dienststelle zu lesen sein. Zu Hause bleibt nur der Gang zum Anwalt, um sich das Geld zurückzuholen.

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