NPD umwirbt Schlossherren

Gutshaus Jessenitz bei Lübtheen: Domizil von Partner Philip Steinbeck. Foto: Mayk Pohle
Gutshaus Jessenitz bei Lübtheen: Domizil von Partner Philip Steinbeck. Foto: Mayk Pohle

Über Dorfkneipen und Heimatvereine in gutbetuchte Wirtschaftskreise: Auf ihrem Marsch in die Mitte der Gesellschaft will die rechtsextreme Szene neue Sympathisanten-Potenziale erschließen. Mit Erfolg glaubt das linke Internetportal „Blick nach Rechts“ (BNR) und listet zwei Mecklenburger Schlossherren als NPD-Freunde auf.

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27. Februar 2008, 04:31 Uhr

Schwerin/Hamburg - Eins ist unumstritten: Den maroden Herrenhäusern in Jessenitz bei Lübtheen sowie Lützow nahe Schwerin haben die Hamburger Philip Steinbeck und Geschäftspartner Christian Schöppe mit viel Aufwand wieder herrschaftlichen Glanz verliehen. Deutlich kontroverser sehen Beobachter die politischen Vorlieben der Schlossherren. So pflegt Steinbeck nach BNR-Angaben enge Kontakte zu NPD-Landtagsfraktionschef Udo Pastörs und ist regelmäßiger Bezieher von Gästekarten für den Besuch der NPD-Fraktion im Schweriner Schloss.

Im übrigen gilt die Region um Lübtheen wegen der Ansiedlung einer ganzen Reihe brauner Vorkämpfer auch nach Ansicht des Verfassungsschutzes als rechter Kristallisationspol.

Sowohl in MV als auch bei den Hamburger Kollegen sind die umtriebigen Schlossherren ein Begriff. „Beide Namen tauchen immer wieder auf“, bestätigte der hanseatische Verfassungsschutzchef Heino Vahldieck auf Anfrage dieser Zeitung. Details könne er aber schon aus Datenschutzgründen nicht nennen. „Im übrigen wohnen die Herren in MV“, sagte Vahldieck. Damit läge dort die Zuständigkeit.
Momentan gebe es allerdings keine neuen Erkenntnisse über aktuelle Aktivitäten von Steinbeck und Schöppe im Zusammenhang mit der rechtsextremen Szene, heißt es aus der Schweriner Behörde. Das gelte auch für mögliche Finanzspritzen an die NPD. Es seien weder von den beiden, noch generell verstärkte Geldströme in Richtung Rechtsextremisten festgestellt worden, sagte ein Sprecher. Zumindest tauchten im letzten offiziellen Spendenbericht der Partei für 2005 weder Steinbeck noch Schöppe auf.

Für die durch die Region Gadebusch-Grevesmühlen geisternden Gerüchte und Befürchtungen, dass das von beiden ebenfalls erworbene Schloss Bernstorff zur braunen Kaderschmiede umfunktioniert werden könnte, sehen die Geheimdienstler momentan keine Belege. Bislang sei außer schleppend vorankommenden Bauarbeiten nichts passiert. „Aber für Schulungen braucht die NPD keine Schlösser, die laufen oft in kleineren Räumlichkeiten ab“, argumentierte der Sprecher.

Pikantes Detail am Rande. Aus „Zeitmangel“ übergab das Schlossherren-Duo die Arbeiten am Bernstorffschen Gemäuer an einen Freund namens Johannes Schneider-Merck. Der wiederum soll laut einem US-Dokumentarfilm Nachbar des zeitweise in Lima untergetauchten und als „Henker von Lyon“ berüchtigten Gestapo-Kommandanten Klaus Barbie gewesen sein.

Der Secondhandtankstellen-Händler Steinbeck wiederum war nach Darstellung des Internetportals „Endstation Rechts“ am 31. Januar 2008 Gast im Schweriner Landtag und plauderte während der Plenarsitzung u. a. angeregt mit NPD-Fraktionschef Pastörs.

Außerdem soll Steinbeck nach Aussagen der Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke am 14. August 2007 in Hamburg am Rande einer Gedenkveranstaltung zu Ehren des Hitler-Stellvertreters Heß vor dem Haus des bekannten Neonazis und Rechtsanwalts Jürgen Rieger aufgetaucht sein. Nach dessen kaum beachteter Rede, so die Journalistin, habe sich Steinbeck zu Rieger gestellt und sei dann „zu einem Plausch mit ehemaligen Kameraden in dessen Haus verschwunden“. Unsinn, konterte Steinbeck auf unsere Anfrage. Er sei lediglich in Blankenese spazieren gegangen, habe einen Menschenauflauf gesehen und sei dann hingegangen. Auf die Frage, ob er Rieger persönlich kenne, kam die Antwort, er lese schließlich Zeitung. Es folgte der Hinweis: „Ich kann nur davor warnen, etwas ungeprüft zu übernehmen, das geht schnell in Richtung Rufmord und zieht juristische Konsequenzen nach sich.“

Was schließlich Pastörs anbetreffe, sagte Steinbeck, sei der ihm als Nachbar und früherer „Haus- und Hof-Juwelier“ bestens bekannt, „Er und seine Frau sind mir sehr sympathisch – rein menschlich. Politisch haben wir keine Verbindungen“, sagte er.
Aussagen über eine gemeinsame Firma mit Pastörs seien ebenso „Blödsinn“. „Ich hatte mit einem Ingenieur aus Hagenow mal Anteile an einer Baufirma“, so Steinbeck. Die seien dann Ende der 1990er-Jahre von Pastörs gekauft worden.

Zum Abschluss gab es noch einen guten Rat: „Wenn sie seriös recherchieren wollen über die rechte politische Situation, dann würde ich mich an die Leute halten, die sich in dieser Richtung engagieren“, betonte Steinbeck mit Hinweis auf die NPD-Landtagsfraktion. „Das ist sicherlich absolut fruchtbar.“

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