Notknopf am Schreibtisch

Schnelle Hilfe: In Kreisverwaltungen und Jobcentern wurden bereits versteckte Alarmsysteme installiert.
Schnelle Hilfe: In Kreisverwaltungen und Jobcentern wurden bereits versteckte Alarmsysteme installiert.

Immer mehr Verwaltungen statten Büros zum Schutz der Mitarbeiter mit Alarmsystemen aus

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08. Februar 2014, 00:36 Uhr

Beleidigungen, Drohungen, Schläge: Um in brenzligen Situationen schnell Hilfe organisieren zu können, haben immer mehr Behörden in Brandenburg ein Alarmsystem installiert. Bislang sind Anzeigen gegen renitente Bürger jedoch selten.

Eine bedrohliche Situation am Arbeitsplatz hat Christian Hirsch selbst schon erlebt. Auf dem Flur habe ein Bürger versucht zu randalieren, nachdem er den Oberbürgermeister nicht sprechen konnte, schildert der Rathaussprecher von Frankfurt (Oder). Die herbeigerufene Polizei konnte die Situation beruhigen. Dennoch betont Hirsch: Am Konzept von offen zugänglichen Verwaltungsgebäuden werde auch künftig nicht gerüttelt. Allerdings treffen die Behörden umfangreiche Vorkehrungen. „Wir haben ein System installiert, das im Notfall greift“, sagt Hirsch. Auch andere Kommunen setzen auf Alarmierungen, Wachschutz sowie regelmäßiges Deeskalationstraining. Potsdam bietet gar für die Außendienstkräfte einen Selbstverteidigungskurs an, der laut Sprecher Jan Brunzlow aber nichts mit Kampfsport zu tun hat. „Sie sollen sich schützen können, wenn Fäuste fliegen“, sagt er. Diese Gewalt sei indes sehr selten.

Vor Jahren wurde ein Sicherheitskonzept in den Standorten der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) eingeführt, nachdem es in Jobcentern in anderen Regionen zu Tragödien in Jobcentern kam. „Jeder Mitarbeiter hat einen Button, den er bei Gefahr drücken kann“, sagt Geschäftsführer Jochem Freyer. Auf Bildschirmen in Nachbarzimmern blinkt dann ein grelles Symbol. Ebenso wurde eine „Amoktaste“ installiert. „Dann heißt es: In Sicherheit bringen, Türen abschließen“, erläutert Freyer.

Viele Bürger seien aufgewühlt oder in finanzieller Notlage, wenn sie in das Jobcenter kommen, berichtet er. In bis zu 100 Fällen pro Jahr müssten Mitarbeiter einschreiten oder die Alarmierung betätigen. Rund zwölf Hausverbote wurden bereits ausgesprochen. Ebenso wurden im Jobcenter Oder-Spree manche Bürger schon dauerhaft der Behörde verwiesen. Wachschutz sorgt in einigen Zweigstellen für Sicherheit. „Der wird aber nicht vor jedem Zimmer stehen können“, sagt Bereichsleiter Frank Bettin. Bis zu zwölf Vorfälle im Jahr werden im Jobcenter Dahme-Spreewald registriert. „Nichts Gravierendes, aber es kann schon mal eine Faust auf den Tisch krachen“, sagt Mitarbeiter Daniel Hofmann. In einem Gebäude der Kreisverwaltung in Lübben wurden zehn Beratungsbüros mit einem Alarmsystem ausgestattet, in denen Angestellte aus dem Jugendamt, Ordnungsamt oder Sozialamt die Bürger empfangen. „Wird der Alarmknopf gedrückt, leuchtet draußen eine Rundumleuchte“, berichtet Kreissprecherin Heidrun Schaaf. Ein spontaner Besuch in anderen Büros der drei „konfliktträchtigen“ Bereiche ist nicht möglich.

In der Kreisverwaltung Uckermark wurden ebenfalls Büros im Sozialamt, Gesundheitsamt, Ordnungsamt sowie in der Vollstreckung mit einem „stillen“ Alarmsystem ausgestattet. Somit können andere Mitarbeiter schnell zur Hilfe eilen. Verbalattacken kommen in Einzelfällen vor, so Sprecherin Ramona Fischer. „Fälle körperlicher Gewalt gab es nicht.“ Auch in Cottbus sind laut einem Sprecher Notfallknöpfe installiert worden. Nach negativen Erfahrungen plant auch die Kreisverwaltung in Oberhavel, ein Alarmsystem auf Computern zu installieren. Dort wurden im vergangenen Jahr 29 Übergriffe von Bürgern registriert, 2012 waren es 38. Die vergleichsweise hohen Zahlen erklären sich auch durch eine Null-Toleranz-Strategie. „Wir bringen jede Attacke zur Anzeige“, betont Sprecher Ronny Wappler. In Lehrgängen wird Mitarbeitern vermittelt, wie sie sich in gefährlichen Situationen verhalten sollen.

Auch Märkisch-Oderland will jetzt nachrüsten. Drohungen hätten zugenommen, sagt Vizelandrat Lutz Amsel. Hauptproblem seien psychisch auffällige Kunden und Frust über Bescheide. Neben Alarmknöpfen, die 2014 eingebaut werden sollen, setzt Amsel auch auf einen kurzen Draht zur Polizei, deren Revier sich in der Nachbarschaft befindet. „Eins ist aber klar: Wir wollen auch künftig eine Verwaltung der offenen Türen.“

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