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24. November 2017 | 16:12 Uhr

Not mit der Notdurft

vom

svz.de von
erstellt am 18.Nov.2011 | 08:59 Uhr

Mumbai/singapur | Die "Hängenden Gärten" gehören zu den größten Attraktionen der indischen Bollywood-Metropole Mumbai. Tausende Besucher bewundern täglich das Kunstwerk des Gartenbaus. Dass zwischen den Büschen und Sträuchern, die die Form von Affen, Elefanten, Giraffen und anderen Tieren haben, ja sogar am Rande der geschwungenen Wege und erst recht unter den Laubengängen immer wieder Menschen ihre Notdurft verrichten, sorgt bei westlichen Touristen für Kopfschütteln. Für viele Inder dagegen ist es Alltag: Mehr als die Hälfte der über zwölf Millionen Bewohner Mumbais lebt in Slums, ohne Wasseranschluss und Kanalisation - und ohne Toilette. Sich für ein dringendes Geschäft am Rand einer Straße hinzuhocken, ist für diese Menschen ein Gebot der Not.

Die Not mit der Notdurft ist nicht nur in Indien für viele arme Menschen Alltag: Auch in anderen Ländern Asiens und Afrikas ist sie ein echtes Problem: Nach Angaben der Welttoilettenorganisation (World Toilet Organization - WTO) haben weltweit 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen leben in Asien, knapp ein Viertel südlich der Sahara in Afrika, die übrigen verteilen sich fast ausschließlich auf Lateinamerika und Ozeanien - auf die Industriestaaten entfallen lediglich 0,5 Prozent.

Die Frage, ob die Welt alljährlich am 19. November einen Welttoilettentag braucht, beantwortet sich angesichts dieser Zahlen von selbst. Denn der Mangel an Sanitäreinrichtungen gilt weltweit als größter Infektionsherd, der allein in Afrika stündlich zum Tod von 115 Menschen führt. Durchfall, Cholera und Ruhr verbreiten sich rasend schnell, wo es an Toiletten und sauberem Wasser zum anschließenden Händewaschen mangelt. Jährlich fordern diese Erkrankungen weltweit mehr als 1,5 Millionen Opfer - 90 Prozent von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. Dem Gründer der Welttoilettenorganisation Jack Sim zufolge sind das mehr junge Opfer, als Aids, Malaria und Masern zusammen fordern. Der Mangel an sauberen Toiletten sei ein "Affront gegen die Menschenwürde", kritisiert die Organisation mit Sitz in Singapur. Sie fordert von den nationalen Regierungen, mindestens drei Prozent ihrer Ausgaben für Sanitär- und Wasserversorgung aufzuwenden. Den finanziellen Nutzen jedes in diesem Sektor investierten Euro beziffert die WTO mit etwa neun Euro. Der ideelle Nutzen - der Gewinn an Lebensqualität und Würde - ist noch weitaus größer.

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