Nichts geht mehr: Streik legt Rostock lahm

Viele Rostocker kamen gestern zu spät zur Arbeit oder zum Unterricht. Durch einen Streik bei der RSAG fuhren von drei bis acht Uhr morgens weder Busse noch Straßenbahnen. Taxiunternehmen profitierten von der Aktion.

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22. Februar 2008, 06:39 Uhr

ROSTOCK - Viele ahnungslose Menschen warteten gestern früh morgens vergeblich auf die Straßenbahn oder den Bus, der sie zur Arbeit, in die Schule, zum Arzt oder einfach nur in die Stadt fahren sollte. Stattdessen erfuhren sie per Durchsage, dass es aufgrund von Streiks „bis acht Uhr keinen Verkehr“ geben werde. Man möge auf die S-Bahn ausweichen. Wer schon am Vortag von den Streikaufrufen der Gewerkschaft ver.di gehört hatte, konnte sich alternative Verkehrsmittel organisieren. „Meine Schwester muss mit der Straßenbahn von Evershagen in die Südstadt zur Arbeit fahren“, erzählt der 16-jährige Mavin Zinn. „Sie hat einen Kollegen angerufen, ob er sie mit dem Auto mitnehmen kann.“ Mavin selbst wartet in der Bertolt-Brecht-Straße auf einen Ersatzbus, der ihn zur Schule nach Lichtenhagen fahren soll. Wann und ob überhaupt einer kommt, weiß er nicht. Die S-Bahnen fahren zwar, doch die Bahnhöfe sind für viele zu weit weg. Sie nutzen sonst Straßenbahn und Bus, um überhaupt zur S-Bahn zu gelangen.

Service-Telefonleitungen glühen heiß130 Mitarbeiter der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) haben sich in ihrer Frühschicht ab drei Uhr an den Streiks beteiligt. Auf dem Gelände des RSAG-Betriebszentrums in der Hamburger Straße stehen die Straßenbahnfahrer mit weißen ver.di-Westen bekleidet vor ihren Fahrzeugen. Die Busfahrer streiken am Busbahnhof in Schmarl. Bei der RSAG klingeln in dieser Zeit die Telefone heiß. Wütende Fahrgäste wollen ihrem Ärger Luft machen. „Wider Erwarten kamen aber auch viele sehr verständnisvolle Anrufe. Die Leute wollten einfach wissen, wann sie wieder mit dem Nahverkehr rechnen können“, so Pressesprecherin Simone Zielonka. Fünf leitende Mitarbeiter erhalten symbolisch den Schülerverkehr zur Neptunschwimmhalle aufrecht.

Laut Polizei sind viele Fahrgäste auf das Auto ausgewichen, es sei ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf den Straßen der Hansestadt zu verzeichnen gewesen. Die Taxifahrer haben am gestrigen Morgen erheblich Fahrgäste befördert als sonst.
Auch etwa 130 Mitarbeiter der Rostocker Stadtwerke hatten sich kurzfristig am Warnstreik beteiligt. Wie Pressesprecher Thomas Schneider bestätigte, hatte das jedoch keine Auswirkungen auf den Netzbetrieb und den Kundenservice. Lediglich betriebsintern habe sich der Arbeitskampf bemerkbar gemacht.

Im ver.di-Bezirk Rostock sind 22 000 Mitglieder organisiert. Bezirksgeschäftsführerin Sabine Dottermusch wertete den Rostocker Warnstreik als vollen Erfolg: „Bis acht Uhr ging gar nichts mehr.“ Für sie ist die Beteiligung von insgesamt 260 Mitgliedern in Rostock ein Zeichen, dass auch die Kollegen in den neuen Bundesländern begriffen haben, dass ohne Arbeitskämpfe von Arbeitgeberseite bei Tarifverhandlungen nichts zu erwarten ist. „Es ist enorm, dass sich unsere Mitglieder nicht einschüchtern lassen“, so Dottermusch.

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