Ärger im Ersatzverkehr : Nicht ohne mein Fahrrad

Stein des Anstoßes: Jan Büttner mit seinem Fahrrad. Im Mai 213 geriet er deshalb mit einem Busfahrer aneinander. Nun steht er deswegen als Angeklagter vor Gericht.
Stein des Anstoßes: Jan Büttner mit seinem Fahrrad. Im Mai 213 geriet er deshalb mit einem Busfahrer aneinander. Nun steht er deswegen als Angeklagter vor Gericht.

Busse befördern Kinderwagen oder Fahrräder im Schienenersatzverkehr gar nicht oder nur eingeschränkt. Pendler Jan Büttner muss nach einer Auseinandersetzung darüber mit einem Busfahrer sogar vor Gericht.

svz.de von
18. März 2014, 08:53 Uhr

Mehr Service beim Schienenersatzverkehr fordert Frank Böhnke vom Bahnkundenverband. Es sei ärgerlich, dass Busse Kinderwagen oder Fahrräder gar nicht oder nur eingeschränkt befördern. Pendler Jan Büttner muss nach einer Auseinandersetzung darüber mit einem Busfahrer sogar vor Gericht.

Von Würgegriffen, Schwitzkasten und mehreren Schlägen sprechen Zeugen, die wie der 43-jährige Frankfurter Jan Büttner am Abend des 15. Mai 2013 eigentlich mit dem Regionalexpress von Frankfurt (Oder) in Richtung Berlin aufbrechen wollen. Büttner, von Beruf Krankenpfleger in der Psychiatrie des Klinikums Rüdersdorf, muss sich demnächst vor dem Amtsgericht Frankfurt (Oder) wegen Körperverletzung verantworten, nachdem er auf einen Busfahrer des Unternehmens „Halbasch-Reisen“ losgegangen sein soll.

Streitpunkt beider ist das Fahrrad des Frankfurters, das laut Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) vom Schienenersatzverkehr ausgeschlossen ist. Büttner ist mit seinem Rad auf dem Weg zur Nachtschicht nach Rüdersdorf, als er am Frankfurter Bahnhof vom Zugausfall überrascht wird. „In den Sommermonaten fahre ich bei günstigem Wetter oft von Fürstenwalde aus die letzten fünf Kilometer zum Klinikum mit dem Rad“, erzählt Büttner. So hat er es auch am 15. Mai vor. Doch der Busfahrer verweigert die Mitnahme.

Als Büttner versucht, mit seinem Cityrad am Fahrer vorbei in den Bus zu kommen, eskaliert die Situation. Der Fahrer habe gegen sein Rad getreten, er daraufhin den Mann am Kragen gepackt, so gut ihm das mit dem Rad in der anderen Hand möglich war. Das Ergebnis der Rangelei sind ein Polizeieinsatz am Frankfurter Bahnhof und eine Strafanzeige bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen den Pendler. Der versteht die Welt nicht mehr, denn er habe doch nur pünktlich auf seiner Station den Dienst antreten wollen. Und das Rad eines anderen Reisenden habe der Fahrer anstandslos verstaut.

Nach Ansicht von Frank Böhnke, Landesvorsitzender des Bahnkundenverbandes, sind die Beförderungsbedingungen des VBB, die den Transport von Rollstühlen, Kinderwagen und Fahrrädern in Bussen des Schienenersatzverkehrs ausschließen oder nur eingeschränkt zulassen, das eigentliche Ärgernis und auch Auslöser für das juristische Nachspiel, das jetzt auf Büttner zukommt. „Die Länder Berlin und Brandenburg müssen beim Bestellen der Verkehrsleistung umdenken“, sagt Böhnke. Er fordert Lösungsmöglichkeiten, um auch beim Schienenersatzverkehr mit Bussen sperrige Güter wie Räder und Kinderwagen an Bord zu nehmen.

Selbst das Busunternehmen „Halbasch-Reisen“ aus Lieberose (Dahme-Spreewald), das im Auftrag der Bahn einspringt, wenn Züge wegen Bauarbeiten oder Betriebsstörungen ausfallen, bietet in anderen Regionen Brandenburgs den Reisenden mehr Service: „In Neustrelitz sind wir mit Bus und Fahrradanhänger im Schienenersatzverkehr unterwegs gewesen“, sagt Firmenchef Rainer Halbasch. Diese Leistung habe die Bahn aber eben explizit angefordert. Seine Fahrer würden Räder nach Möglichkeit auch im Stauraum des Busses unterbringen, doch das Zugeständnis ist in der Vergangenheit schon als Bumerang zurückgekommen, nachdem ein Rad am Ziel beschädigt war und Halbasch eine Rechnung ins Haus flatterte.

Selbst die eingeschränkte Beförderungszusage des Verkehrsverbundes ist nach Ansicht des Bahnkunden-Landeschefs Frank Böhnke unterm Strich nichts wert: „Wenn ein Rollstuhlfahrer oder eine Mutter mit Kinderwagen unterwegs in den Bus zusteigen wollen, sich dort aber schon mehrere sperrige Güter befinden, bleiben sie ganz schnell verärgert auf der Strecke.“ Anspruch auf Entschädigung haben Radfahrer nach Auskunft des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nur dann, wenn die Bahn nicht rechtzeitig auf den Ausfall von Zügen hingewiesen hat. Bei Jan Büttner geht es nach seinen Erlebnissen weniger um eine Entschädigung. Ihn wurmt viel mehr, dass er bei einer möglichen Verurteilung plötzlich als vorbestraft gilt.

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