Nicht nur für die Umwelt

Bei Michael Kurzmann, Energieberater aus Pingelshagen, erwärmt seit diesem Jahr die Sonne das Brauchwasser und hilft beim Heizen. Er ist überzeugt: In zwölf bis 15 Jahren rechnet sich die Investition.Foto: H.-D. Hentschel
Bei Michael Kurzmann, Energieberater aus Pingelshagen, erwärmt seit diesem Jahr die Sonne das Brauchwasser und hilft beim Heizen. Er ist überzeugt: In zwölf bis 15 Jahren rechnet sich die Investition.Foto: H.-D. Hentschel

Der kostenlose Energie-Check ist Herzstück der Infokampagne „Haus sanieren – profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Zusammenarbeit mit den Handwerkerschaften des Landes. Energieberater bieten ihn an.

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09. Oktober 2008, 11:00 Uhr

Viele Hauseigentümer denken inzwischen darüber nach, regenerative Energiequellen zu nutzen. Ist eine solche Investition nur etwas für Idealisten oder kann sie sich für den Einzelnen auch rechnen?
Michael Kurzmann: Eine pauschale Aussage ist dazu nicht möglich. Da spielen zu viele, auch sehr individuelle Faktoren eine Rolle. Allerdings wird die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen steigen. Der Grund: Es gibt zum einen Fördermittel und die Anschaffungspreise sinken. Zum anderen geht man davon aus, dass sich die Energiepreise alle zehn Jahre verdoppeln. Die Entwicklung seit 2008 bestätigt diese These. Wie groß das Potenzial für den Einsatz regenerativer Energien ist, zeigt die Situation in unseren Nachbarländern. Mehr als die Hälfte der Österreicher heizt beispielsweise mit Hilfe von Wärmepumpen.

Kann ein Hauseigentümer feststellen, ob sich eine Investition in eine alternative Heizungsanlage amortisiert?
Kurzmann:
Das ist für einen Laien nicht ganz einfach. Eine einfache Bewertung nur anhand der verbrauchsabhängigen Kosten ist nicht ausreichend. Entscheidend ist immer eine Vollkostenrechnung, die auch die Finanzierungskosten berücksichtigt. Das Ergebnis ist somit von mehreren Faktoren abhängig. Neben den Anschaffungskosten sind bestimmte Rahmenbedingungen festzulegen. Dazu gehören der Zinssatz für ein Darlehen beziehungsweise der Kapitalmarktzins für das eingesetzte Eigenkapital. Zusätzlich müssen Annahmen über die erwartete Energieeinsparung und die zukünftige Entwicklung der Energiepreise getroffen werden. Realistisch sind nach meiner Auffassung Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich.

Bei der Annuitätenmethode werden die sich daraus ergebenden jährlichen Kosten der neuen Anlage mit den bisherigen Kosten der alten Anlage verglichen. Zeigt sich eine Kosteneinsparung, ist die Investition wirtschaftlich. Aus der Höhe der Einsparung ergibt sich die Amortisationszeit. Bei einer Investition von 12 000 Euro und einer jährlichen Einsparung von 750 Euro hat sich die Anschaffung beispielsweise in 16 Jahren amortisiert. Wenn man eine so große Investition plant, sollte man die Kosten für eine Beratung nicht scheuen.

Nicht für jeden Hauseigentümer kommt eine Investition in Solaranlage oder Pelletkessel in Frage. Muss dieser tatenlos zuschauen, wie seine Energiekosten steigen und steigen?
Kurzmann: Auf keinen Fall. Auch er sollte etwas tun. Die Förderung erneuerbarer Energien darf nicht davon ablenken, dass die erste Überlegung eines Endverbrauchers der Energieeinsparung gelten sollte. Da gibt es ein enormes Potenzial. Das Verbrauchsverhalten – Stand-by-Modus, Lüften, Zimmertemperatur, Haushaltsgeräte – und die Wärmedämmung eines Hauses sind Punkte, an denen man erst einmal ansetzen sollte. Die derzeitigen Energieverbräuche zeigen, was möglich ist. Das Spektrum reicht von 0 bis 400 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnnutzfläche. Der Durchschnitt liegt bei 250 kwh, bei Neubauten sind es weniger als 100, Tendenz abnehmend.

Wäre es bei Ausnutzung aller Möglichkeiten denkbar, vollständig auf fossile Energiequellen zu verzichten?
Kurzmann:
Theoretisch ist ein Verzicht möglich. Allein die verfügbare Menge an Sonnenenergie ist mehrere Tausendmal so groß wie der Gesamtenergiebedarf. Praktisch benötigen wir aber einen vernünftigen Energiemix mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien. Dazu können dezentrale Anlagen zur Energieerzeugung wie Blockheizkraftwerke einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie werden zwar oft mit fossilen Energieträgern betrieben, doch Strom und Wärme werden dort gleichzeitig mit Nutzungsgraden von etwa 80 Prozent erzeugt. Der Umgang mit Gas oder Öl erfolgt also wesentlich effizienter. Bei einem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung durch BHKW kann viel Energie eingespart werden. Vielfach bietet sich aber tatsächlich ein Verzicht auf Gas oder Öl an, wenn gute Bedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb von BHKW mit Biomasse, zum Beispiel Holzpellets, gegeben sind.


Der Weg zum Energie-Check


Der kostenlose Energie-Check ist Herzstück der Infokampagne „Haus sanieren – profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Zusammenarbeit mit den Handwerkerschaften des Landes. Ziel ist es, Besitzer älterer, vor 1990 gebauter Häuser für die energetische Sanierung ihrer Immobilie zu interessieren. Handwerker,
die den Check anbieten, sind im Internet unter www.sanieren-profitieren.de zu finden.
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