Neuflächen statt engem Hafen

Die letzten drei Grünflächen innerhalb des Rostocker Seehafens könnten schon bald für Ansiedlungen erschlossen werden. Denn Bauland ist rar geworden und die Nachfrage groß.
Die letzten drei Grünflächen innerhalb des Rostocker Seehafens könnten schon bald für Ansiedlungen erschlossen werden. Denn Bauland ist rar geworden und die Nachfrage groß.

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11. Februar 2008, 07:43 Uhr

Rostock - Rostocks Hafen platzt aus allen Nähten. Investoren wollen bauen und können nicht. Jetzt sollen die wenigen freien Flächen in Bauland umgewandelt werden. „Besonders sensible Bereiche“, wie es im Umweltschutzbericht dazu heißt.

Mehr Platz für Hallen, Lager und Kais braucht Rostocks Seehafen – aus rein ökonomischen Überlegungen. 688 Hektar ist das „Sondergebiet Hafen“ groß – Drehscheibe in der Ostsee und wichtigster Industriestandort der Hansestadt. Doch das zu bebauende Areal ist ausgereizt. Echtes Bauland gibt es kaum noch. In den Worten von Hafen-Sprecher Christian Hardt: „Wir haben kaum noch Spielraum für Ansiedlungen.“ Für die wenigen Restflächen hat die kommunale Entwicklungsgesellschaft Hero die Qual der Wahl. Teilweise streiten sich zwei Interessenten um wenige Hektar Land. „So groß ist die Nachfrage.“

Um diesen Engpass in den Griff zu bekommen, will die Stadt jetzt handeln. Drei naturnahe Grüngebiete im Hafen sollen in Sondergebietsflächen umgewandelt werden. Im Klartext: Aus Grünland wird Bauland. Immerhin 22 Hektar – was etwa der Fläche von 30 Fußballfeldern entspricht. Doch der Teufel liegt im Detail. Zwar liegen die drei Gebiete mitten im Industriegebiet, dennoch werden sie von amtlicher Stelle als zu schützendes Grünland eingestuft. Im Umweltbericht, der seit 2006 bei solchen Vorhaben eingeholt werden muss, ist von „besonders sensiblen Bereichen“ die Rede.

Verschlechterungsverbot für den Breitling
Deshalb erwartet Ortsbeiratsvorsitzender von Gehlsdorf-Nordost Michael Hollmann noch einige heftige Diskussionen. „Da werden die Meinungen weit auseinander gehen.“ Vor allem, wenn es um die moorige Fläche zwischen Öl- und Chemiehafen geht. Direkt am Breitling, ganz in der Nähe der Peez-Mündung, dient der schmale Uferstreifen durchziehenden Vögeln als Rastplatz. Eine „konfliktbehaftete Fläche“, wertet deshalb auch Sven Schmeil vom Amt für Umweltschutz. Dazu kommt noch eine formale Hürde. Denn alle Veränderung rund um den Breitling unterliegen einem Verschlechterungsverbot. Heißt: Abwasser darf nicht eingeleitet werden. „Aber Gewerbe ist nicht zwangsläufig ausgeschlossen“, schildert Schmeil. Dies unterliege allerdings noch Genehmigungen. So oder so: Für einen „angemessenen Grünausgleich“ an anderer Stelle muss die Stadt auf jeden Fall sorgen.

Von einem Balanceakt zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz spricht auch Hero-Sprecher Hardt. „Wir brauchen eine wachsende Wirtschaft. Das bedeutet auch einen wachsenden Hafen. “ Zunächst soll dies innerhalb der bestehenden Grenzen geschehen. Zumindest bis 2015. Denn spätestens bis dahin ist laut eines Hafengutachtens das Ende der Fahnenstange erreicht. Um der Nachfrage von Logistikern und Industriebetrieben annähernd gerecht zu werden, müsste der Seehafen in den Süden oder entlang der Autobahn wachsen. Protest ist programmiert.


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