Neues Wir-Gefühl der Bayern - Krise in Wolfsburg

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13. September 2009, 11:44 Uhr

Der Hamburger SV und Bayer 04 Leverkusen marschieren im Gleichschritt an der Spitze, Bayern München bläst zur Jagd und Titelverteidiger VfL Wolfsburg rutscht in die Krise. Der 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga sorgte für allerhand Gesprächsstoff. „Es wird ganz schwer, uns zu schlagen“, tönte nach dem besten Saisonstart der Vereinsgeschichte HSV-Stürmer Mladen Petric. Nach dem 3:1 gegen den VfB Stuttgart wächst an der Elbe die Zuversicht auf den ersten Titelgewinn nach 26 Jahren. „Ich hoffe, dass sich dieses Jahr etwas an unserem Briefkopf verändert“, sagte HSV-Torwart Frank Rost.

Hamburgs Trainer Bruno Labbadia hält so früh in der Saison nicht viel von dem Gerede und Platz eins für eine Momentaufnahme ohne Wert. „Es geht rauf und runter n dieser Branche“, weiß der 43 Jahre alte Coach aus Erfahrung bei Bayer 04 Leverkusen. Die von ihm in der letzten Saison betreute Werkself trumpft wie einst unter Labbadia stark auf. Mit dem 3:2 in Wolfsburg festigte sie Rang zwei. „Wir hatten auch mit Labbadia einen guten Start und sind dann abgerutscht“, warnte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler.

Dem Führungsduo auf den Fersen bleibt der FC Schalke 04. Mit einem 2:1 (1:1) am Sonntag in Köln verbesserte sich der Revierclub auf den dritten Tabellenplatz. Trotz des umjubelten ersten Saisontreffers von Lukas Podolski entpuppte sich die Hoffnung des Schlusslichts aus Köln auf den ersten Saisonsieg als Wunschdenken. Dank des hart umkämpften Erfolgs zog der Revierclub an Werder Bremen vorbei. Das Team von Trainer Thomas Schaaf kam im Nordderby vor heimischer Kulisse gegen Hannover 96 nicht über ein 0:0 hinaus.

Tief in der Krise steckt nach der dritten Niederlage in Serie der VfL Wolfsburg. „Wenn du drei Spiele verlierst, hast du ein Problem“, sagte VfL-Trainer Armin Veh. Sauer war er auf Schiedsrichter Felix Brych, der den Wolfsburger Torwart Diego Benaglio wegen eines Fouls an seinem Schweizer Landsmann Eren Derdiyok vom Platz stellte. „Da darf man nie im Leben Rot geben“, schimpfte Veh und bekam Unterstützung von Völler, dessen Team in der Endphase noch einen Elfmeter zum 2:3 durch Grafite hinnehmen musste: „Der Referee hat gemerkt, dass die Rote Karte eine Fehlentscheidung war, dann hat er in der zweiten Halbzeit versucht, es geradezurücken.“

Zeigen will es seinem Ex-Arbeitgeber nicht nur Labbadia, sondern auch Michael Skibbe. Mit Eintracht Frankfurt gelang dem ehemaligen Bayer-Coach beim SC Freiburg (2:0) der zweite Saisonsieg und der Aufstieg auf Platz vier. „Wir sind vorne dran und da gilt es, sich jetzt festzubeißen“, sagte Skibbe. Sein Kollege Robin Dutt wünscht sich nach bisher nur vier Punkten allein den Klassenerhalt: „In die Champions League wollen wir sowieso nicht.“

Das Erreichen der „Königsklasse“ ist das Minimalziel des FC Bayern München. Nach der 5:1-Gala bei Borussia Dortmund ist der Rekordmeister nach dem holprigen Start unter Trainer-„General“ Louis van Gaal auf bestem Weg dorthin. Mehr Aufsehen als die Glanzvorstellung erregte Bayern-Star Franck Ribéry mit seinem demonstrativen Sturmlauf und Sprung in die Arme von van Gaal nach seinem Zaubertor zum 3:1. „Franck hat gezeigt, dass er diesen Trainer liebt“, sagte der Niederländer, dem zuvor ein gestörtes Verhältnis zu Ribéry nachgesagt worden war. „Es braucht eine gewisse Zeit, um sich an seinen Stil zu gewöhnen“, meinte der französische Profi.

Während man sich in München über die neue heile Bayern-Welt freut, gab es bei 1899 Hoffenheim nach dem 3:0 gegen den VfL Bochum Dissonanzen. Der vor der Saison abwanderungswillige Stürmer Demba Ba reagierte trotz seines ersten Saisontors zornig auf die zuletzt laut gewordenen Schmähungen der eigenen Anhänger. „Es ist mir scheißegal, wenn die Fans pfeifen“, schimpfte er. 1899-Trainer Ralf Rangnick sah dies nach dem zweiten Saisonsieg nicht so tragisch: „Er ist mit ganzem Herzen dabei und identifiziert sich mit dem Verein.“ Dagegen schwinden die Sympathien der im Tabellen-Keller steckenden Bochumerbeim Anhang. „Wir müssen alles daransetzen, dass wir im Heimspiel gegen Mainz drei Punkte holen“, sagte Coach Marcel Koller nach Niederlage Nummer drei.

Schweren Zeiten geht Hertha BSC entgegen. Zum vierten Mal verließ die „alte Dame“ beim FSV Main 05 (1:2) in dieser Saison schon geschlagen den Platz. „Die Moral ist nicht gut in der Mannschaft“, bekannte Hertha-Trainer Lucien Favre. Die Mainzer feierten dagegen wieder Karneval - nach schon acht gewonnenen Punkten ist das klar. Mit-Aufsteiger 1. FC Nürnberg gelang mit dem 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach der befreiende erste Saisonerfolg. „Wir freuen uns jetzt auf das Derby und wollen mal sehen, was da geht“, meinte Club- Trainer Michael Oenning vor dem Duell beim FC Bayern keck.

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