zur Navigation springen
Neue Artikel

24. November 2017 | 23:33 Uhr

Meinung : Nanu, ist der Schlager wieder da?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nicht, dass ich Schlager als Gefahr ansehen würde, aber schließlich gehöre ich zu jener Generation, die Schmachtfetzen á la Roland Kaiser noch als musikalische Achse des Bösen klassifiziert. Irgendwie ist jetzt alles anders: Während auf dem Redaktions-TV der Empfang der deutschen Nationalelf flimmerte, bekam mein junger, durchaus geschmackbegabter Kollege leuchtende Augen. Das Interesse des aktiven Fußballers galt jedoch nicht etwa Jogis Jungs, nein im Fokus stand eine von „Schweini“ und Co. gefeierte schlagersingende Blondine.

Ich persönlich dachte ja immer, Helene Fischer, die gibt es gar nicht wirklich – wie damals in den 90ern Milli-Vanilli.

Aber bei genauem Hinsehen stelle ich fest, Helene Fischer ist überall. Sie wird als perfekt und ideal und ungeheuer fleißig beschrieben. Sie hat einfach alles: diverse Echos, Hennen, Kronen und Bambies. Sie singt fehlerfrei, laut „Bild“ hat sie einen tollen Klangkörper und war auch schon auf dem Traumschiff. Mühelos lässt sie alle Quoten in luftige Höhen schweben, wie einst Biene Maja. Ihr Konterfei auf einer Titelseite garantiert traumhafte Auflagen, hoffen wir!

Liegt ihr Erfolg etwa darin begründet, dass ihr liebliches Antlitz sowohl im Dirndl als auch im Ganzkörper-ultra-sexy-Bodysuite erstrahlt?

Zum Teil – aber die Wahrheit ist – Helene Fischer ist ein angesagter Popstar. Im Moment können sich alle darauf einigen ob auf dem Sofa im Gelsenkirchener Barockstil oder auf dem angesagten Dancefloor zur Peak Time. Ihre Musik liegt zwischen Kastelruther Spatzen und Rihanna und wenn sie am Trapez auf die Bühne schwebt, schwebt da auch Madonna mit. Man fragt sich schon wie sie diesen artistischen Marathon schafft, ganz sauber ohne die kleinen Tricks ihrer Konkurrentinnen und ohne die Hölle morgen früh.

Freizügig gesteht sie ihren Fans: „Manchmal bin ich kein Held, kauf ein ohne Geld und verpass den letzten Zug“ – ach, das passiert dem Normalo auch schon mal, da fühlt jeder mit. Damit sie aber nicht doch einmal ohne einen Cent dasteht, kann jetzt jedermann riechen, wie sie so schnuppert, wenn sie abgehetzt und atemlos auf dem Bahnsteig steht. Frau Fischer verkauft ihren Duft – Note für Note – mit Pfirsichakkorden. Es sei etwas ganz Besonderes, ein eigenes Parfüm zu besitzen, sagt sie und dass sie sogar daran mitgearbeitet habe. Wie darf man sich das vorstellen? Hat Helene eigenhändig den Pfirsich gepresst?

Nun, meine Hoffnung, dass „Musikantenstadl“ und „Frühlingsfest der Volksmusik“ biologisch abbaubar sind, geht nicht ganz auf und der Helene-Fischer-Megaboom besteht auch nicht nur für einen Tag. Sie wird uns weiterhin eine strahlend frische Haarcoloration und perfekt streichfähige Butter schmackhaft machen. Ihr gelingt eben alles!

Aber eines kann sie nicht: Sie wird niemals ein Waschmittel verkaufen können. Schmutzige Wäsche nimmt ihr niemand ab, Helene macht sich nicht schmutzig!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen