Nährboden für populistische Hetzerei

Günther Hoffmann
Günther Hoffmann

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25. September 2012, 11:43 Uhr

Günther Hoffmann engagiert sich seit mehr als einem Jahrzehnt in Vorpommern gegen Ausländerhass und Rechtsextremismus. Mit dem Vorstandsmitglied des Vereins "Demokratisches Vorpommern - Verein für politische Kultur" sprachen Torsten Heil und Oliver Tobolewski.

Herr Hoffmann, droht in Wolgast ein zweites Lichtenhagen?

Hoffmann: Nein, ein zweites Lichtenhagen wird es dort nicht geben, wenn man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt.

Welche Fehler meinen Sie?

Ein Asylbewerberheim in einem sozialen Brennpunkt anzusiedeln: Das ist ein Handwerksfehler par excellence. In weiten Teilen der Bevölkerung gibt es zwar großes Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Doch wenn man sich als Stadt entscheidet, in ein Viertel zu gehen, in dem die Bewohner selbst in einer prekären Situation leben, muss dort schon einiges an Energie aufgewendet werden, um eine gewisse Akzeptanz zu schaffen. Und genau das wurde versäumt.

Zudem befeuerte die NPD die Stimmung vor Ort…

Ja, auf die Aktionen der NPD ist nicht reagiert worden - auch ein grober Fehler, der gemacht wurde. Stattdessen überließ die Stadt den rechtsextremen Populisten das Feld.

Das will der Landkreis nun nachholen…

Da kann ich nur sagen: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann geht man in den Wald und schlägt Holz für eine Leiter.

Fehlte es denn an Unterstützung?

Fakt ist, dass die unterschiedlichen Beratungsangebote externer Kräfte vom Landkreis und der Stadt Wolgast anfangs nicht angenommen wurden. Sie haben alle geschlafen.

Gibt es denn zurzeit eine konkrete Gefahr für die Wolgaster Asylbewerber?

Wenn jetzt nicht versucht wird, die Fehler, die begangen wurden, zu beseitigen, dann steckt tatsächlich ein Konfliktpotenzial in dem Viertel. Vor allem in einem Gebiet, in dem Neonazis, rechtsextreme NDP und Kameradschaften so eine Dominanz haben, ist damit zu rechnen, dass eine populistische Hetzerei erfolgt - die ja dann auch passierte.

Was muss getan werden?

Aufklärungsarbeit, und zwischen den Anwohnern und den Flüchtlingen muss ein direkter Kontakt hergestellt werden, um Vorurteile abzubauen.

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