Falsche Identität : Nachlässige Pass-Kontrollen auch auf unseren Flughäfen

Nicht immer werden Pässe genau geprüft.
Nicht immer werden Pässe genau geprüft.

Seit bekannt wurde, dass es zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen in die verschollene Boeing der Malaysia Airlines geschafft haben, gibt es heftige Kritik an den malaysischen Sicherheitskontrollen. Doch auch an deutschen Flughäfen gibt es Sicherheitslücken.

svz.de von
12. März 2014, 23:37 Uhr

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat Interpol die „Datenbank verlorener und gestohlener Reisedokumente“ eingerichtet. Dennoch konnten im vergangenen Jahr Passagiere mehr als eine Milliarde Mal an Bord eines Flugzeuges gehen, ohne dass ihre Pässe mit der Datei abgeglichen wurden, kritisiert die internationale Polizeiorganisation.

Auch an deutschen Flughäfen war dies zigfach der Fall. Denn auch hierzulande wird bei Weitem nicht jeder Ausweis mit Fahndungslisten gegengecheckt. Wer innerhalb des Schengen-Raums reist, wird grundsätzlich nicht kontrolliert. Auch für Flüge außerhalb dieses Gebiets gilt für EU-Bürger, dass eine generelle Überprüfung rein rechtlich nicht zulässig ist, erläutert Meik Gauer, Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin.

Die Vorgabe soll gewährleisten, dass keine verdeckten Grenzkontrollen stattfinden. Zwar werden alle Passagiere einer Mindestkontrolle unterzogen, wobei die Gültigkeit des Ausweises und das Lichtbild überprüft werden, betont Gauer. Doch ob der Reisende zur Fahndung ausgeschrieben ist, könne bei EU-Bürgern nur stichprobenartig kontrolliert werden. Auch die Papiere würden lediglich sporadisch mit Fahndungslisten abgeglichen. Anders sieht der Umgang mit Einwohnern von Drittstaaten aus. Ihre Daten würden bei der Einreise grundsätzlich abgeglichen, erläutert der Sprecher. Zudem werde kontrolliert, ob Visa rechtmäßig zustande gekommen sind. Bei der Ausreise werde darauf geachtet, ob der Reisende seine Aufenthaltszeit eingehalten hat. Eine Abfrage der Fahndungsdateien sei dann nicht obligatorisch.


Hunderte falsche und gestohlene Papiere


Im vergangenen Jahr beschlagnahmten Berliner Bundespolizisten an den Flughäfen Tegel und Schönefeld insgesamt 223 gefälschte beziehungsweise gestohlene Ausweise. Ob dennoch Passagiere mit falschen Papieren an Bord gelangen? Davon sei nicht auszugehen, sagt zumindest Gauer. „Die Grenzkontrollen an den Berliner Flughäfen sind auf einem sehr hohen Level.“

An Bord der am vergangenen Sonnabend verschwundenen malaysischen Maschine von Kuala Lumpur nach Peking waren auch zwei junge Iraner mit falschen Papieren. Die Pässe waren Europäern in Thailand gestohlen worden und seitdem in der Interpol-Datenbank registriert. Die Iraner wollten offenbar illegal nach Europa reisen. Zuvor war spekuliert worden, ob es sich bei ihnen um Terroristen handelt, die einen Anschlag auf das Flugzeug verüben wollten.

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