Nach Schreckensnacht verheilen die Wunden

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12. Mai 2008, 06:02 Uhr

Rostock - Hansa spielt. Es ist der Auftritt, der den Abstieg in die zweite Bundesliga besiegeln wird. Bei Badewetter strömen 22000 Zuschauer in die DKB-Arena. Ein jeder sucht seinen Platz. Drei besondere Gäste haben ihn schon gefunden: Hannes Davenport (21), Robert Bang (21) und Fabrice Bang (20) sitzen in der Loge. Ganz bequem, im Schatten und mit einem Buffett. Neben ihnen Innenminister Lorenz Caffier, er hat die Jungs eingeladen, um „ein Signal zu setzen“. „Sie haben Zivilcourage bewiesen und sollen jetzt nicht hinten herunterfallen“, sagt er.

Alle drei waren zum Opfer geworden, in der Nacht vom 1. zum 2. März. Da besuchen die Brüder Robert und Fabrice aus Waren Kumpel Hannes. Er studiert Wirtschaftswissenschaften in Rostock. Nachmittags sind die drei beim Hansa-Spiel, abends im „Interclub“ in der Südstadt. Gegen 3 Uhr brechen sie auf, steigen in einen Bus Richtung Lütten Klein. Da wohnt Hannes zu dem Zeitpunkt.

Die Schlägerei beginnt nach dem Aussteigen

Im Bus sehen sie, wie zwei Mädchen und fünf junge Männer Fahrgäste anpöbeln, herumspucken und den Nothammer abreißen. Die drei Jungs wollen sie beruhigen. Robert: „Da waren sie noch nicht ganz so aggressiv.“ Aber dann: Beide Gruppen steigen in Lütten Klein aus. Die Jugendlichen gehen auf die anderen los. Fabrice: „Erst haben wir noch auf sie eingeredet, aber uns dann gewehrt.“

Eine Schlägerei. Fabrice erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Die Wirbelsäule und alle Rippen sind geprellt. Bruder Robert wird ein Vorderzahn ausgeschlagen. Hannes erwischt es, als eigentlich schon alles vorbei ist. Die Jungs sind bereits in einen Tunnel geflüchtet, als sich eine der jungen Frauen nähert, und ihm ein sieben Zentimeter langes Messer in den Rücken rammt. Er zieht es sich selbst heraus. Die Angreifer haben sich inzwischen zehn Mann Verstärkung geholt. Aber die Opfer schaffen es zur nächsten Polizeistation.

Nach dem Krankenhausaufenthalt wird klar, wie viel Glück vor allem Hannes hatte. „Das Messer hat genau ins Muskelfleisch zwischen Niere, Lunge und Wirbelsäule gestochen.“ Die Wunde wurde genäht. Hannes spielt inzwischen wieder Fußball.

Immerhin: Ein wenig Gerechtigkeit gab es. Die Angreifer haben sich gestellt. Gegen die mutmaßliche Messerstecherin Nicole L. (17) wird eine Anklage wegen versuchten Mordes vorbereitet. „Ohne die Kameras hätten sie die nie gekriegt“, sagt Robert. An Reue der Täter glauben die drei nicht.
Robert sagt, er will sich nicht in die Sache hineinsteigern. Er weiß nur: „Wenn das nächste Mal nur Material beschädigt wird, greife ich nicht ein. Dumm gelaufen.“ Das ist auch das Hansa-Spiel. 1:2 verloren. Aber Hannes sagt: „Es war nicht Hansas Schlechtestes.“

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