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22. August 2017 | 07:16 Uhr

Schule : Mut bei Mobbing: Freunde gefragt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beleidigen, quälen, dumme Sprüche – Schikanen stellen auch Freundschaften auf die Probe / So können Mitschüler Opfern helfen

Es fing ganz harmlos an. Im Matheunterricht an einem Gymnasium. Daniela (17) musste an die Tafel und etwas vorrechnen. „Das mag sie nicht und hat sich natürlich direkt verrechnet“, erzählt Jessica (16). Ein Mitschüler hat einen dummen Spruch gerissen, und die ganze Klasse lachte. „Und ich mit“, gibt Jessica zu. „Über meine beste Freundin.“ Die dummen Sprüche hörten nicht mehr auf. Vor jeder Mathestunde kam ein neuer dazu. Das Tuscheln und Grinsen dehnte sich auf die anderen Fächer und die Pausen aus.

Wenn es nicht bei einmal Ärgern bleibt und eine Person über längere Zeit schikaniert wird, spricht man von Mobbing, erklärt Ina Brecheis, Pädagogin bei Klicksafe, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz in Ludwigshafen. Durch Internet und Smartphones erreichen die Beleidigungen das Opfer rund um die Uhr und überall.

Mobbing und Cybermobbing gehören eng zusammen, eine Grenze lässt sich nur schwer ziehen. Die Gefahr beim Cybermobbing: „Das Mobbing zieht ganz schnell große Kreise“, sagt Rosemarie Hannemann, Diplom-Sozialarbeiterin bei der Jugendberatung Zittau. „Man muss nur mal eben ,Gefällt mir’ klicken und schon ist es weiter verbreitet.“

Auch Jessica hat erst online mitbekommen, wie ernst die Situation ist. „In der Schule waren die Sprüche schon nervig“, erinnert sie sich, „aber die krassen Beleidigungen fingen bei Facebook an.“ Als sie das las, sprach Jessica ihre Freundin darauf an. Daniela hatte ihr vorher nichts gesagt, ging dem Ärger lieber aus dem Weg und zog sich zurück. Doch das Zurückziehen war bereits ein Alarmzeichen. „Davon gibt es viele“, sagt Hannemann von der Jugendberatung. „Jemand ist immer krank, bleibt der Schule fern, das Klima in der Klasse verschlechtert sich, oder das Verhalten ändert sich: Man wird aggressiver, oder man zieht sich eben zurück.“

Wenn sich der beste Freund so stark verändert, benötigt er dringend Hilfe. „Ein offenes Ohr ist das Wichtigste“, erklärt Brecheis von Klicksafe. „Dann kann das Mobbingopfer den ganzen Frust rauslassen und mit jemandem auf Augenhöhe reden.“ Die besten Freunde seien meist die ersten Gesprächspartner. Erst danach wenden sie sich an Eltern, Lehrer oder Schulpsychologen. Wer für den gemobbten Freund da ist und mit ihm darüber spricht, macht schon mal alles richtig.

Und Brecheis hat noch einen Tipp: „Zum Mobbing gehören nicht nur Täter und Opfer. Es gibt viele Personen, die drumherum stehen, nichts machen und damit beim Mobbing helfen.“ Es sei eine gute Möglichkeit, wenn der beste Freund und der Gemobbte diese schweigende Mehrheit ansprechen und sie dazu ermutigt, Zivilcourage zu zeigen.

Jessica und Daniela wählten einen ähnlichen Weg. Erwachsene wollten sie nicht ansprechen. Das Vertrauen fehlte. Aber Jessica sprach Mitschüler an, mit denen sie sich gut versteht. „Ich habe sie gefragt, ob sie das Mobbing mitbekommen haben und erklärt, wie schlecht es Daniela damit geht“, sagt sie. Bei den nächsten dummen Sprüchen gaben sich die Mitschüler genervt, rollten die Augen, gingen gelangweilt weg und zeigten Desinteresse. „Ein bisschen hat es gedauert, aber irgendwann war es den Mobbern zu doof weiterzumachen“, sagt Jessica. „Der Fall Daniela war out.“

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