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14. Dezember 2017 | 03:44 Uhr

Musikalischer Kneipenbummel

vom

svz.de von
erstellt am 02.Mai.2010 | 06:18 Uhr

Perleberg | Dicht gedrängt stehen und wippen Kneipenbummler in Perlebergs Innenhöfen, an Tresen, Bänken und Tischen. 15 Bands spielten Freitagabend in 14 Lokalen auf. Einfach treiben lassen, sagen sich die Gäste und schlendern meist in Grüppchen von Band zu Band. Ein Flyer informiert, wer wo welche Rhythmen spielt. "Ich mag diesen bunten Musikmix, liebe von Latin bis Rock vieles", verrät Torsten Scherke. Er und seine Frau Beate sind mit Freunden unterwegs. Darin liege ein Reiz dieser jährlichen Veranstaltung: "Eine schöne Gelegenheit, Leute zu treffen, manche hat man lange nicht gesehen", sagen Hartmut und Carola Glatz, bevor die vier die Kutscherstube und Rudys Music-Box verlassen.

Schlager und Country im LItaliano, im Belluno entführt Caribe an palmengesäumte Strände, entfesselt Fantasien von Zigarrenrauch und kühlen Cocktails. Heimspiel heißt es im Alten Speicher. Hinter dem Namen Several Gents verbergen sich sechs Prignitzer Männer, die die Leidenschaft für Musik miteinander verbindet. Stefan Radek als Preisträger der Lotte-Lehmann-Woche und Irish Folk-Liebhaber vielen bekannt, tritt heute in großer Formation auf. Zufall führte die Männer musikalisch zusammen. Das Ergebnis ist ein mitreißender Sound.

Jüngstes Mitglied ist Frank Winzer. Der gebürtige Thüringer lebt seit gut 25 Jahren in Wittenberge, hat seine Geige 20 Jahre lang nicht im Arm gehalten. "Sie lag ganz weit hinten im Schrank." Doch nun hat er sie wieder herausgeholt - sehr zur Freude der Zuhörer. Virtuos beherrscht er sein Instrument und meint bescheiden: "Das ist wie mit dem Radfahren. Man ist ein bisschen wacklig, aber man fällt nicht um." Was den sechs Männern fehlt, sei eine Frau auf der Bühne. Das wäre musikalisch eine Bereicherung und "was fürs Auge", schmunzelt Winzer. Doch noch habe sich niemand gemeldet.

Für manche endet der Bummel ungeplant wenige Meter weiter im Effi. Hier spielt die Überraschung des Abends: Statt laut und hart wie man es im Effi vermuten würde, füllt eine tolle Frauenstimme den Saal aus. Zwei Gitarren, eine mickriger Verstärker genügen dem Duo Goose Bumps: der Saal summt mit, Applaus brandet auf.

"Stuck in the middle of you" (Keith Urban) oder "Here comes the rain" (Eurythmics) - ihre Musik geht unter die Haut. Wer gehen will, bleibt nach wenigen Schritten wieder stehen, kaum dass Diana Hildebrant einen neuen Song ins Mikro haucht, Frank Kroll in die Saiten greift. Seit fünf Jahren spielen sie zusammen, vergangenen Jahr traten sie zur Kneipennacht in der neuen Mühle auf. "Zu weit weg, hier sind deutlich mehr Leute unterwegs", sagt krolli. Zwar haben sie mit dem Effi noch immer einen viel zu großen Saal, "aber zwischendurch war der knackig voll."

Frank Kroll war seit frühester Jugend ein Musikfan. "Auf Diskos spielte ich endlos Luftgitarre, bis ich das lächerlich fand." Er nahm Unterricht, wurde profi. "Heute gebe ich selbst Unterricht, kann von der Musik leben." Musik ist für Frank Kroll "kein Computerkram", nichts, das künstlich aufgepeppt werden müsste. Sein großes Vorbild heißt Tommy Emmanuel. Der Australier fessele tausende Fans nur mit seiner Gitarre. "Das ist seine Philosophie, die auch ich umsetzen möchte."

Wer sich endlich von dem Duo löst, hat die Wahl. Weiter Richtung Anglerstübchen, wo No Cash spielt oder zu A. C. Vives, die mittlerweile wirklich "zum Inventar gehören", wie es im Flyer heißt. Und wer dann noch mag, geht zum Abschlusskonzert von Gravity Free mit der neuen Sängerin Melanie Palloks, die bisher mit der Wittenberger Musikfabrik Die Band auftrat.

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