Museum im Stahlkokon

In der Verantwortung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Schwerin wird seit mehreren Jahren das Hauptgebäude des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden umgebaut und saniert. Entstehen soll ein barrierefreies und attraktives Ausstellungsgebäude. Nach der Winterpause wurden die Arbeiten jetzt fortgesetzt, denn im Frühsommer soll der Umbau abgeschlossen sein.

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29. Februar 2008, 08:26 Uhr

Groß Raden - Alle verputzten Flächen in einem rötlichen Ton und anthrazitfarben die vorgehängten Fassadenplatten – in diesen Farben wird sich künftig das Äußere des sanierten Eingangsgebäudes zum Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden darstellen.

Dies nahm Dr. Detlef Jantzen, Chef des Dezernats Archäologie des Landesamtes für Kultur und Bodendenkmalpflege Schwerin, der derzeitigen Wirklichkeit voraus. Denn noch ist das Gebäude hinter einem Kokon von Stahlgerüsten verborgen.

„Derzeit wird am Dachgeschoss der Innenausbau vorgenommen und auch die Arbeiten an der Fassade haben nach der Winterpause wieder begonnen“, zählte der Dezernent auf.

Feierliche Einweihung für den Frühsommer geplant
Gehen alle Arbeiten gut voran, so soll das Gebäude im Frühsommer 2008 seiner Bestimmung übergeben werden. Und diese sind Ausstellungen. Schon jetzt werde zur Eröffnung eine Sonderausstellung zur Geschichte des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden vorbereitet, kündigte Dr. Jantzen an. Zeitgleich wird die Einrichtung und Präsentation der neuen Dauerausstellung in Angriff genommen. Diese findet nach dem Umbau und der Sanierung bedeutend mehr Ausstellungsfläche vor und bietet so Gelegenheit, einige neue, bislang in den Magazinen lagernden archäologischen Objekte der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Letztgenannte Dauerausstellung soll spätestens 2009 den Besuchern zugänglich sein. Dann präsentiert sich das Museum als Außenstandort für die Bundesgartenschau in Schwerin.

Lebendiger Einblick in das Leben der Slawen
Der altslawische Tempelort Groß Raden wurde zwischen 1973 und 1980 durch Prof. Dr. Ewald Schuldt, damaliger Direktor des Schweriner Museums für Ur- und Frühgeschichte, ausgegraben. Dabei konnten die Archäologen zwei slawische Siedlungsperioden des 9. und 10. Jahrhunderts ermitteln. Im Mai 1987 öffnete das Museum erstmals seine Pforten für Besucher.

Das Museum gibt seither den Besuchern einen Einblick in das Leben der Nordwestslawen, die zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern siedelten. Auf dem Freigelände wurden Gebäude, wie Flechtwand- und Blockhäuser aus beiden Siedlungsperioden rekonstruiert.

Ein Ärgernis für die Besucher ist allerdings seit vergangenem Jahr die Sperrung des Turmes, die Besuchern einen weiten Blick über das gesamte Gelände und die Landschaft am Groß Radener See bot. Und natürlich konnte von oben auch ein Blick auf das Innere des Burgwalls geworfen werden.

„Der hölzerne Turm hat immerhin zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Zur Sicherheit für die Besucher, mussten wir uns schweren Herzens zu einer Sperrung entschließen“, sagte Dr. Detlef Jantzen. Inzwischen hagelte es empörte Unterschriften von Besuchern, die sich für einen neuerlichen Blick in den Burgwall stark machen. Und dieser soll den Gästen auch gewährt werden, allerdings auf eine etwas andere Art und Weise.

„Vielleicht noch in diesem, sonst jedoch im kommenden Jahr, werden wir am Wall den Turm abreißen und mit einer archäologischen Grabung an Ort und Stelle beginnen“, kündigte Dr. Jantzen an. Denn der ursprüngliche Zugang zum Inneren erfolgte nicht über einen Turm sondern über einen Tunnel. Und dieser Tunnel, der dem wirklichen archäologischem Befund entspricht, soll wieder an gleicher Stelle entstehen. Natürlich wird er so stabil gebaut, wie es dem heutigen Sicherheitsnormen entspricht, schließlich soll keiner der Gäste zu Schaden kommen, unterstrich der Dezernent.

Neue Treppe beginnt im Inneren des Walls
Damit die Besucher jedoch auch künftig auf den Wall kommen, soll von innen eine neue Aufstiegsmöglichkeit geschaffen werden. Der Termin für den Beginn dieser Arbeiten richte sich nach den vom Land zur Verfügung gestellten Fördermitteln, sagte Dr. Detlef Jantzen.

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