Multitalent ersetzt Axt im Walde

Ein Harvester erledigt als Waldroboter in dieser Woche den Einschlag von stattlichen Fichten im Revier Kreien des Forstamtes Karbow. Foto: Wolfried Pätzold
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Ein Harvester erledigt als Waldroboter in dieser Woche den Einschlag von stattlichen Fichten im Revier Kreien des Forstamtes Karbow. Foto: Wolfried Pätzold

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06. Februar 2008, 11:22 Uhr

Karbow - Holz ist ein stark gefragter Rohstoff und bringt auch immer mehr Geld in die Kassen der Landesforst. In den sieben Revieren des Forstamtes Karbow kommen in diesem Jahr 35 000 Festmeter unter die Säge. Früher als in anderen Jahren hat die Aufforstung bereits begonnen.

Fast 200 Jahre hatte eine Eiche im Revier Kreien gestanden, bevor sie vor Wochen unter die Säge und erst kürzlich auf der Wertholzauktion des Landes in Schwerin-Mueß unter den Hammer kam. Eine Furnierfirma aus Deutschland bot schließlich am meisten, für den Festmeter stolze 1225 Euro und für den ganzen Stamm rund 7000 Euro. „Das ist nicht nur ein Superpreis, sondern auch einer der Spitzenerlöse für einen Wertholzstamm in Mecklenburg-Vorpommern“, freut sich der zuständige Forstamtsleiter Wolfgang Starke mit seinen Kollegen.

Bei der 17. Wertholzauktion konnten die Forstwirte aus Kreien auch vier Buchen mit überdurchschnittlichen Preisen versilbern. „Das ist besonders bemerkenswert, weil derzeit die Eiche und nicht mehr Buchen im Trend liegen“, weiß der Experte. In vergangenen Jahren gefragte Wildkirschenhölzer waren in diesem Jahr dagegen weniger gefragt.

Holz erlebt als Rohstoff eine Renaisance
In den sieben zum Forstamt Karbow gehörenden Revieren läuft in diesen Tagen der Holzeinschlag auf Hochtouren. „Holz ist stark nachgefragt und die Preise steigen“, sagt Wolfgang Starke. Rund 35 000 Festmeter sollen in diesem Jahr in den mehr als 8000 Hektar großen Landeswaldflächen gewonnen werden. Die erzielten Erlöse bringen das Karbower Forstamt dem Ziel, spätestens bis 2012 schwarze Zahlen zu schreiben, näher. „Die Wälder werden aber keinesfalls ausgebeutet wie mitunter vermutet wird“, ist sich der Forstamtschef sicher.

Mehr gepflanzt als abgeholzt
Die Fakten, die in wenigen Tagen nach Abschluss der jüngsten Waldinventur auf den Tisch kommen, sind eindeutig. In den zum Forstamt Karbow gehörenden Wäldern werden mehr Bäume neu gepflanzt als abgeholzt.
Die ungewöhnlich nasse und milde Witterung macht den Holzeinschlag derzeit nicht einfacher. Hilfreich erweist sich eine Waldvollerntemaschine mit dem Namen Harvester, die in rund vier Wochen nahe Karbow 3000 Festmeter Fichtenholz unter die Hochleistungswerkzeuge nimmt. Von morgens um 4.30 Uhr bis in die späten Abendstunden wird gesägt, entastet, geteilt und sortiert. „Mit unseren 28 Mitarbeitern würden wir diese Arbeit nicht erledigen können“, meint der Chef.

Erfreulich sei, dass aufgrund der Nachfrage von sogenannten Industriehölzern auch untermaßige Stämme verkauft werden. Im Revier Poitendorf hat zum „Winter“-Finale ungewöhnlich früh die Frühjahrsaufforstung begonnen. Die nasse und milde Witterung garantiert dem Wald der Zukunft gute Startbedingungen.

Vor der Holzgewinnung auf die Schulbank
Rund 20 Prozent der jährlichen Holzmenge, die im Forstamtsbereich geworben wird, ist für den privaten Brennholzbedarf gedacht. Die Revierförster sind für die Leute umliegender Dörfer die Ansprechpartner. „Seit Anfang des Jahres muss jeder Selbstwerber ein zugelassenes Zertifikat vorweisen“, betont Wolfgang Starke. Am 22. Februar in Spornitz und am 13./14. März in Wahlsdorf (Anmeldungen beim Forstamt unter Tel. 038 733/2280) finden weitere Kurse statt. „Für den sicheren Umgang mit der Kettensäge sind Fachkenntnisse unverzichtbar“, so der Experte.

Zahlen und Fakten zum Harvester
Mit dem englischen Begriff „harvester“ werden spezielle Holzernter bzw. Waldvollernter bezeichnet.
Die computergesteuerten Maschinen übernehmen die halbautomatische Fällung, Entastung und Sortimentsbildung vor Ort.
An einem bis 15 Meter langen Kranarm ist ein Fällkopf mit hydraulischer Kettensäge und Entastungsmessern freibeweglich montiert.
Die Motorleistung liegt bei 300 PS. Die Kraftübertragung erfolgt ausschließlich hydraulisch.
Einsatzschwerpunkte sind Nassböden und Steilhänge.
Die Maschine ist mit bis zu 15 Halogenscheinwerfern ausgestattet und kann damit auch nachts arbeiten.
Der Harvester erntet nahe Karbow in vier Wochen rund 3000 Festmeter Holz.

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