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Splitter : Mülldeponie: Trotz Gift im Boden keine Gefahr für die Bevölkerung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Schranken sind verschlossen, Schilder weisen auf eine unbestimmte Gefahr hin. Die Mülldeponie Schelfwerder ist für die meisten Schweriner ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei ist durchaus bekannt, was da am Ufer des Schweriner Sees lagert: Bor, Sulfat, Schwermetalle, Chloride, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und, und, und. Insgesamt 900 000 Kubikmeter Hausmüll, Gewerbeabfälle, Bauschutt, Fäkalien und Müll der Roten Armee wurden bis 1989 ins Werderholz gebracht. „In der Deponie gibt es hohe Schadstoffkonzentrationen“, sagt Harald Böhme vom städtischen Umweltamt. Früher seien etwa 30 bis 40 Prozent des Oberflächenwassers über Gräben in den See gelaufen. Diese Vorfluter sind laut Böhmke seit 20 Jahren nicht mehr gepflegt worden.

Umweltsamt-Chef Hauke Behr glaubt an die Ungefährlichkeit des Müllberges im Werderholz: „Dort fühlen sich Wildschweine in großer Zahl wohl, die den Boden auf der Suche nach Futter großflächig umbuddeln. Hin und wieder wird ein Stück Schwarzwild geschossen oder von einem Auto überfahren.“ Untersuchungen des Fleisches hätten dessen Unbedenklichkeit für den Verzehr nachgewiesen.

Zum Kriegsende landen Waffen im Wasser

 

Für die Nationalsozialisten war der Wald im Norden Schwerins mehr als nur grüne Fläche: Vor rund 80 Jahren waren Teile Schelfwerders Sperrgebiet. „Damals schossen die Soldaten mit Karabinern und Maschinenpistolen auf die Schießwände“, erzählt Rainer Blumenthal. Laut dem Archivassisstenten des Stadtarchivs seien die Schießwände bereits in der Zeit des Großherzogs entstanden und wären von den Nationalsozialisten weiter ausgebaut worden. So seien auch die vielen Munitionsfunde in und am Ziegelaußensee und Schweriner Innensee zu erklären.

Als sich der Krieg dann aber in seinen finalen Zügen befand, flohen viele Soldaten vor der russischen Armee und der damit verbundenen Kriegsgefangenschaft. „Über Schelfwerder und den Paulsdamm in den Norden zu fliehen kam für die verbliebenen Soldaten nicht in Frage. Da sie nicht wussten, wie weit der Russe im Norden vorgestoßen war, war die Route dort eine Gefahr für Leib und Leben“, erklärt Blumenthal weiter. Als einziger Ausweg vor der Gefangennahme durch russische Soldaten blieb also die Flucht gen Westen – zwar hatten die US-Amerikaner bereits Lübeck besetzt, doch sahen viele Soldaten die amerikanische Gefangenschaft als kleineres Übel an.

Um die alten Schießstände in Schelfwerder kehrte nach dem zweiten Weltkrieg Ruhe ein. Bis heute finden dort Wanderer aber noch die eine oder andere Patronenhülse.

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