Müllberge in lauschiger Natur

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22. Mai 2008, 06:34 Uhr

Steinberg - Die Vögel zwitschern, die Sonne bricht sich im saftigen Maigrün der Bäume – Prignitzer Idylle am Seddiner Damm bei Steinberg. Doch der Schein trügt, denn darunter stapelt sich Müll aller Art.

Matthias Hecht hat die Nase voll. Seit einem Jahr kämpft er gegen die illegale Müllkippe nur wenige hundert Meter von seiner Haustür entfernt. „Es kommt immer mehr dazu, sogar Kühlschränke und Wellasbest wurden dorthin gekippt. Der Zaun ist ’runtergetreten. Was ist, wenn da einem Kind etwas passiert, weil es die Kippe zum Abenteuerspielplatz macht?“, fragt der Steinberger. Siegfried Grünwald weiß noch, dass hier einmal Kies abgetragen wurde.

„Immer vor der Ernte wurden die Wege abgekiest. Mein Großvater ist mit vier Pferden und Wagen hierher gefahren und hat Kies geholt.“ So entstand eine Kuhle, die zu DDR-Zeiten, konkret ab 1960, als Mülldeponie genutzt wurde. 1991 war Schluss damit, weiß Anke Pflückhahn vom Ordnungsamt der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), zu der Steinberg heute gehört. Die Deponie wurde eingezäunt. Doch der behördliche Schlussstrich war keineswegs das Ende der Müllablagerung. Die ging munter weiter, nun illegal. „Als erstes wurden Torweg und Schloss des Zauns geklaut“, erinnert sich Grünwald.

184 000 D-Mark hätte eine Renaturierung gekostet laut eines Gutachtens von 1997, weitere 6600 DM jährlich die Wartung, Geld, das das damalige Amt Groß Pankow/Prignitz nicht aufbringen konnte. Ganz davon abgesehen, dass besagtes Flurstück gar nicht kommunales Eigentum ist, sondern in Besitz der Treuhand übergegangen war.

Dennoch bemühte man sich in Groß Pankow um eine Beseitigung nicht nur dieses Müllärgernisses, erhielt 2000/2001 188 764 Mark Zuschüsse für die Beräumung von 17 „kommunalen Ablagerungen“, wie es fachlich korrekt heißt. Im Jahr 2003 sollte mit einer zweiten Maßnahme auch die Steinberger Kippe beräumt werden, doch die dafür beantragten 62 157 Euro „wurden am 23. Juni 2003 von der Landesinvestitionsbank abgelehnt“, erinnert sich Anke Pflückhahn.

Also blieb im Seddiner Damm alles wie es war, auf den Erdbergen, die die Gemeinde für das Auffüllen schon hatte anfahren lassen, wuchs Gras und daneben in der Kuhle wuchsen die Müllberge. Was sich änderte, waren lediglich die Besitzverhältnisse des Flurstückes. Das ging nämlich 2003 „mit allen Rechten und Pflichten in den Besitz der Märkischen Grundstückssanierungs GmbH über“, wie Anke Pflückhahn erklärt.

Diese Gesellschaft bot dann eine „oberflächliche Beräumung der Müllkippe an, wenn der Landkreis oder die Gemeinde sie danach in ihr Eigentum übernimmt“ berichtet Edelgard Schimko, zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Kreisverwaltung. Doch weder Landkreis noch Gemeinde sind bereit, sich auf einen solchen Deal einzulassen, blieben sie dann doch auf den ganz beträchtlichen Folgekosten sitzen.

So wachsen die Müllberge weiter, führten Anzeigen bisher zu keinem Erfolg. Mülltouristen auf frischer Tat zu stellen, ist schwierig, denn das Flurstück ist von der Straße zwischen Steinberg und Baek nicht einzusehen. Und obwohl der gepflasterte Feldweg in keinem guten Zustand ist, Elektroschrott kostenlos beispielsweise in Perleberg abgegeben werden kann, schrecken Umweltfrevler nicht davor zurück, weiter ihren Dreck hier abzukippen, dafür einfach den Zaun herunterzutreten.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung werden sich jetzt vor Ort umschauen und dann festlegen, ob Gefahr im Verzug, eine neue Gefährdungsabschätzung nötig ist oder welche anderen Anordnungen gegenüber der Märkischen Grundstückssanierungs GmbH zu treffen sind.

Spätestens kommende Woche soll der Vor-Ort-Termin statt finden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten, der „Prignitzer“ bleibt auf jeden Fall dran.

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