Mordfall Antje: Zeugin bricht Schweigen

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02. Januar 2008, 08:59 Uhr

Rostock - Im Prozess um den Mord an der 15-jährigen Antje aus Rostock hat eine Zeugin am Montag gegen einen der beiden Angeklagten ausgesagt. Die frühere Bekannte des Mannes gab vor dem Rostocker Landgericht an, dieser habe ihr kurz nach dem Mord im Juli 1996 erzählt, er habe am Tatort Spuren beseitigt, um zwei Bekannte zu schützen, die für den Tod des Mädchens verantwortlich seien. Bei der selben Sitzung stellte die Verteidigung den Antrag, weitere Zeugen im Zusammenhang mit dem Selbstmord eines Polizisten zu vernehmen, der in seinem Abschiedsbrief Antjes Tod auf sich genommen hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Antje erwürgt zu haben, um die Vergewaltigung des Mädchens durch den zweiten Angeklagten zu verdecken. Beide schweigen bislang zu den Vorwürfen. Von einem möglichen dritten Täter ist in der Anklage keine Rede.

Wie die heute in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) lebende Zeugin weiter berichtete, habe der Angeklagte nach eigenen Angaben noch vergeblich versucht, das Mädchen wiederzubeleben. Dann habe er unter anderem die Fingernägel des Opfers gereinigt und Tabak am Tatort verstreut, um Spürhunde abzulenken.

Bei früheren Vernehmungen bei der Polizei hatte die Zeugin noch angegeben, sie wisse nichts von einer Verwicklung des Angeklagten in den Fall. Ihr Schweigen habe sie nun gebrochen, weil sie deshalb ein schlechtes Gewissen gehabt habe, sagte sie vor Gericht. Die Frau wohnte gemeinsam mit den Angeklagten in einem Übergangswohnheim für Aussiedler. Sie sagte aus, dort hätten viele von der Tat gewusst, aber aus Angst geschwiegen.

In Bezug auf den Selbstmord des Polizisten im Juli 2005 will die Verteidigung unter anderem die Polizisten laden, die laut Protokoll in der Wohnung des Toten Bücher mit sadomasochistischen Inhalten gefunden hatten. In einem 1997 erstellten Täterprofil geht der Gutachter laut Antrag davon aus, dass bei dem Mord an Antje ein sadistischer Tätertyp naheliegt, der sich für sadomasochistische Pornografie interessiert. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen in diese Richtung nach eigenen Angaben eingestellt, weil sich außer dem Geständnis keine weiteren Anhaltspunkte für eine Täterschaft des Beamten ergeben hätten.

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