Morddrohung gegen Bürgermeister

War die Messerattacke auf den Passauer Polizeichef erst der Anfang? Auch der Bürgermeister von Warin, Hans-Peter Gossel, ist offenbar ins Visier Rechtsextremer geraten. Nach Morddrohungen per Internet steht der Mecklenburger unter Polizeischutz.

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29. Dezember 2008, 01:40 Uhr

Warin | Die Weihnachtstage verbrachte der Bürgermeister der nordwestmecklenburgischen Kleinstadt in Angst. Bereits vor einigen Tagen hatte ein Freund von Hans-Peter Gossel die Drohung auf einer inzwischen gesperrten Internetseite entdeckt: "Hoch-Zeit der Lebkuchenmesser!! Das nächste ,Opfer stellt sich zur Verfügung. Gossel? Kommt von Gössel - Gans, Weihnachtszeit, Weihnachtsgänsezeit...", heißt es dort. Indirekt wird Bezug genommen auf den vermutlich rechtsradikalen Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl, der vor seiner Haustür niedergestochen worden war. Mannichel ist für sein couragiertes Auftreten gegen Rechtsextremisten bekannt - wie Gossel.

Denn Hintergrund der Drohung könnte die Weigerung der Wariner Stadtvertretung sein, einen Hauskauf der Interim Partei Deutschland (IPD) ins Grundbuch einzutragen, sagte Hans-Peter Gossel. Bei der weitgehend unbekannten Partei gibt es nach Angaben des Schweriner Innenministeriums Verdachtshinweise, dass sie Bezüge zum Rechtsextremismus habe. So leugne die Interimpartei die rechtmäßige Existenz der Bundesrepublik. Es lägen Erkenntnisse vor, dass die Partei versuche, Strukturen in MV aufzubauen. IPD-Anhänger sollen zudem behaupten, das Deutsche Reich bestehe noch.

Stand der parteilose Bürgermeister den rechten Plänen im Weg?
"Ich nehme diese Bedrohung sehr ernst", sagte Gossel, der nach dem ersten Schock sofort Anzeige erstattete, gegenüber unserer Zeitung. "Ein schönes Weihnachtsfest war das wirklich nicht für mich." Die Polizei nehme die Bedrohung gegen den Kommunalpolitiker sehr ernst, sagte auch die Sprecherin in Schwerin. Heute soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Wie Alois Mannichel in Passau lässt sich auch Hans-Peter Gossel in Warin nicht einschüchtern. Die Gemeinde wolle von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und das Haus, das früher das Heim einer jüdischen Familie war, selbst von einem Privateigentümer erwerben, bekräftigte er. Die Gemeinde wolle verhindern, dass sich die Partei in Warin niederlässt.

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