Moloch Einkaufszentrum: Discounter breiten sich weiter aus

von
25. Mai 2008, 08:54 Uhr

Potsdam - „Die Zunahme erfolgte fast nur durch Einkaufscenter“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innenstadt Potsdam, Wolfgang Cornelius, in einer dpa-Umfrage. „Damit veröden die Städte zwangsläufig“. In Zukunft könnten weitere Discount-Center entstehen, meinte Günter Päts vom Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg. „Viele bieten jedoch keine hochwertige Waren – und das ist eine Chance für die Einzelhändler.“

In der Stadt Cottbus gibt es nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus zu viele Einzelhandelsflächen. Bei den Anbietern herrsche ein Verdrängungswettbewerb, sagte Katrin Erb vom IHK-Geschäftsbereich Standortpolitik. „Die Stadt steuert die Flächenentwicklung aber gut mit ihrem Einzelhandels- und Zentrenkonzept.“ So habe die Kommune bereits an einigen Standorten verhindert, dass sich zusätzliche Discounter ansiedeln.

Großes Center in der City
Die IHK habe sich aber immer für den Bau eines großen Einkaufscenters in der City ausgesprochen, das Ende September in der Innenstadt eröffnet werden soll. Die gesamte Einzelhandelsfläche wird dann, wie Erb einräumt, noch einmal zunehmen. Schon jetzt liege sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

„Mit Kaufkultur haben Discounter wenig zu tun“, kritisierte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher. Andererseits seien viele Menschen auf die günstigen Angebote angewiesen.

Trend Erlebnisshopping
Der Handel profitiert indes wenig von der Entwicklung. Trotz wachsender Verkaufsflächen steigt der Umsatz nicht an. So hat die Ladenfläche laut Cornelius in ganz Deutschland zwischen 1995 und 2005 um 24 Prozent zugelegt, der Umsatz aber nur um fünf Prozent.

Die großen Einkaufszentren im Umland gäben dem örtlichen Einzelhandel kaum eine Chance, sich zu erhalten, geschweige denn, sich weiterzuentwickeln. „Der Moloch Einkaufszentrum saugt den Einzelhändlern die gesamte Kaufkraft ab. Das ist ein Vernichtungswettbewerb.“

In Frankfurt (Oder) sollen Kunden mit besonderen Aktionen zum Einkauf in die Innenstadt gelockt werden. So findet inzwischen zweimal wöchentlich vor dem Rathaus ein sogenannter grüner Markt statt, bei dem Lebensmittel und Pflanzen vor allem aus der Region verkauft werden.

„Der Trend geht zum Erlebnisshopping“, sagte City-Managerin Regina Haring. Die Kunden wollten „unterhalten werden und nebenher einkaufen“ – darauf stelle sich der Handel ein. In der Oderstadt gehe es vor allem darum, potenzielle Kunden davon zu überzeugen, ihr Geld dort und nicht in Berlin auszugeben. „Wenn die Frankfurter hier einkaufen, sorgen sie auch dafür, dass nicht noch weitere Händler aufgeben.“

Auch der Einzelhandelsverband verweist auf das beschränkte Angebot der Zentren, den Wunsch vieler Bewohner nach belebten Einkaufsstraßen sowie nach persönlichen Kontakten beim Einkaufen. Päts: „Viele Einzelhändler kehren wieder in die Innenstädte zurück.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen