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Moderner in die Zukunft: Ringer kämpfen um Olympia

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erstellt am 03.Apr.2013 | 10:30 Uhr

Berlin | Sogar das typische Ringer-Trikot soll im olympischen Überlebenskampf ausgemustert werden. Mit einem Reformpaket, Regeländerungen und verstärktem Anti-Doping-Kampf machen sich die Mattenkämpfer für ihre Zukunft fit - und haben bei ihrer Comeback-Kampagne bereits wichtige Punktsiege errungen. Kremlchef Wladimir Putin hielt noch einmal ein flammendes Plädoyer für den jahrtausendealten Traditionssport, zuvor hatten schon die Nationalen Olympischen Komitees und die olympischen Sommersportverbände Unterstützung zugesagt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen", erklärte FILA-Interimspräsident Nenad Lalovic. "Wir hatten unseren Sport nicht modernisiert. Wir waren im Tiefschlaf und sind jetzt wieder aufgewacht."

Seit der Empfehlung der IOC-Exekutive vom Februar, Ringen von 2020 an aus dem Olympia-Programm streichen zu lassen, herrscht Betriebsamkeit bei der FILA und ihren 177 Mitgliedsverbänden. Lalovic hat sich bereits mit IOC-Präsident Jacques Rogge und dessen Vize Thomas Bach getroffen. "Wir haben gut zugehört und erarbeiten gerade Lösungsvorschläge, die wir beschließen und dann sofort umsetzen wollen", betonte Lalovic mit Blick auf den außerordentlichen FILA-Kongress am 18. Mai in Moskau.

Der Traditionssport will sich verändern, ohne seine Identität zu verlieren. Wie vom IOC gewünscht, sollen eine Athletenkommission aufgebaut, mehr Frauen in die Verbandsstrukturen integriert und die Zahl der Doping-Kontrollen erhöht werden. Das ärmellose, unverkennbare Leibchen der Ringer steht vor dem Aus. "Wir denken an ein modernes Outfit, um den Unterschied zwischen den Freistil-Ringern und den griechisch-römischen deutlicher zu zeigen", erzählte Lalovic. "Klar ist: Im Moment zählen nur noch Taten und keine Worte mehr."

Die Rückendeckung aus der olympischen Familie registrierte der Serbe mit Freude. Innerhalb von nur vier Tagen hatten die Vereinigungen der olympischen Sommersportverbände und aller Nationalen Olympischen Komitees den Ringern ihre Unterstützung zugesagt. "Ringen ist auf einem guten Weg. Nach den Reformen wird Ringen eine modernere Sportart mit moderner Organisation sein", sagte Bach. Die IOC-Vollversammlung muss im September in Buenos Aires endgültig beschließen, welcher der sieben Ersatzkandidaten (Baseball/ Softball, Klettern, Karate, Rollschuhsport, Squash, Wakeboarden, Wushu) nachrückt oder ob Ringen seinen Olympia-Status doch behalten darf.

Auch Putin mischte sich als heimlicher Drahtzieher des Weltsports ins Ringen der Ringer um ihren Olympia-Status ein. Die IOC-Entscheidung, die traditionelle Sportart von Olympia verbannen zu wollen, sei "ungerechtfertigt". Er hoffe auf eine "gesonderte Diskussion mit unseren Freunden vom Internationalen Olympischen Komitee", sagte der Kremlchef vielsagend.

Lalovic verriet, er habe die Gespräche mit Rogge und Bach mit einem sehr guten Gefühl verlassen, aber jetzt sei Demut gefragt: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen."

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