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20. November 2017 | 22:27 Uhr

Mit links auf den Mond

vom

svz.de von
erstellt am 26.Aug.2012 | 07:17 Uhr

New York | Er erfüllte sich einen Traum und schrieb Geschichte: Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Jetzt ist der Astronaut tot. Er erlag im Alter von 82 Jahren Komplikationen nach einer Herzoperation. Armstrong sagte einen der berühmtesten Sätze der Menschheit: "Das ist ein kleiner Sprung für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit." Er wird unvergessen bleiben als erster Mensch auf dem Mond.

Als Marineflieger muss Armstrong ein ganzes Geschwader von Schutzengeln gehabt haben: Krieg, Testflüge und Weltraumabenteuer überstand er unverletzt und selbst eine Bruchlandung mit einem Testgerät. Als erster Mensch setzte Armstrong am 21. Juli 1969 seinen Fuß auf einen anderen Himmelskörper, gewann die wichtigste Schlacht des Kalten Krieges und schrieb Geschichte. Und alles mit dem linken Fuß.

Der Wettlauf zum Mond war eine Revanche. Denn zehn Jahre zuvor schickten die Sowjets eine Rakete nach der anderen ins All, während die der Amerikaner schon beim Start explodierten. Wurden Fehlschläge bei den Russen vertuscht, waren die der Amerikaner live im neuen Medium Fernsehen zu sehen. Als 1961 auch noch der erste Mensch im All ein Russe war, wollte US-Präsident John F. Kennedy der gedemütigten Nation den Mut zurückgeben. Sein Versprechen: Noch bevor das Jahrzehnt zu Ende sei, würden die Amerikaner einen Mann auf den Mond bringen.

Kennedys Versprechen wurde gerade eben eingehalten. Bis zum Ende der 60er-Jahre waren es nur noch gute fünf Monate, als Dutzende Millionen Menschen auf der ganzen Welt eine Live-Übertragung in grässlicher Qualität verfolgten. Lange nach der Landung holperte eine graue Gestalt eine Leiter herunter, stampfte in die dünne Staubschicht des Mondes und sprach die Worte: "Dies ist ein kleiner Sprung für den Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit." Das heißt, eigentlich sagte Armstrong das nicht, er vergaß nämlich einen Buchstaben: Das "a", im Englischen für "ein". Jahrzehnte wurde darüber gestritten, ob die Technik den Buchstaben verschluckt habe oder Armstrong selbst.

Der medienscheue, zurückhaltende Armstrong hatte alles, was zum Traumbild eines großen Helden gehörte: Intelligenz, Willensstärke, Mut, Visionen - obendrein war er auch noch attraktiv. Der Weg zum Star oder Politiker wäre ein leichter gewesen. Armstrong mied ihn mit geradezu sturer Beharrlichkeit.

Er gab irgendwann keine Autogramme mehr, weil ihm die Vermarktung seiner Unterschrift für hohe Summen ein Gräuel war, verweigerte Interviews und hielt nur selten eine Rede.

"Ich bin und werde für immer ein weißer Socken tragender, auf seine Tasche aufpassender, streberhafter Ingenieur bleiben", erklärte er bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte. Auf die häufige Frage, wie es sich denn anfühle, der erste Mann auf dem Mond zu sein, stellte er sich stets zurück. "Mir war auf jeden Fall bewusst, dass es die Summe der Arbeit von 300 000 bis 400 000 Menschen über einen Zeitraum eines Jahrzehntes war", sagte er der "Los Angeles Times". Nach der Rückkehr vom Mond gab er bald bekannt, dass er nicht mehr ins All fliegen wolle. 1971 verließ er die Nasa und lehrte acht Jahre Luft- und Raumfahrt Ingenieurwissenschaften an der Universität von Cincinnati (Ohio).

Seine Begeisterung für die Raumfahrt und auch die Fliegerei verflog aber nicht. Er besaß ein Privatflugzeug, verfolgte weiter die Geschehnisse rund um die Raumfahrt und hielt sich beispielsweise 2010 nicht mit Kritik zurück, als Präsident Obama die Abkehr von einem neuen Nasa-Mondprogramm verkündete.

Am 5. August 1930 in Wapakoneta (Ohio) geboren, soll Armstrong schon als Zweijähriger von Flugzeugen fasziniert gewesen sein. Im damals ungewöhnlich jungen Alter von sechs Jahren saß er zum ersten Mal in einer Maschine. Mit 16 machte er seine Fluglizenz. Er studierte Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften und wurde Marineflieger. Die Wolken reichten aber nicht, Armstrong wollte noch höher hinaus: 1962 akzeptierte ihn die Nasa als Astronauten, 1966 vollbrachte er als Chefpilot von "Gemini 8" das Andocken an ein unbemanntes Raumfahrzeug im Orbit. Drei Jahre später leitete er die "Apollo 11"-Mondmission. Vor seinem Kollegen "Buzz" Aldrin stieg Armstrong als erster aus der Luke, trat mit dem linken Fuß auf - und schrieb für immer Geschichte.

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