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19. November 2017 | 09:52 Uhr

Mit Gleichmacherei ungleich behandelt

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svz.de von
erstellt am 08.Feb.2013 | 10:14 Uhr

Geliebt, verflucht, murrend akzeptiert: Das Lehrerpersonalkonzept war von Anfang an eine solidarische Krücke. Als sich Landesregierung, Lehrerverbände und Gewerkschaften 1995 auf das Konzept einigten, legten sie einen Stein des ewigen Anstoßes. Grundkonsens war damals, zur Vermeidung von Entlassungen die adäquat zu den sinkenden Schülerzahlen immer weniger werdenden Unterrichtsstunden unter allen Lehrern gerecht aufzuteilen. Ein solidarisches Prinzip, jubelten die einen. Zwangsteilzeit, fluchten die anderen.

Alle Beteiligten hatten jedoch die erste große Kündigungswelle 1992 noch in Erinnerung. 5000 Lehrer mussten damals gehen, das Gros gekündigt vor dem Hintergrund persönlicher Verstrickungen mit Stasi- und DDR-System. Doch da waren es immer noch 19 000 Lehrer im Land, und die Schülerzahlen begannen zu sinken. Jetzt drohten Bedarfskündigungen. Die zumindest wurden mit dem Lehrerpersonalkonzept verhindert. Beliebt war das Konzept, das neben der Teilzeitarbeit auch Möglichkeiten zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Dienst, Altersteilzeit und Abfindungen vorsah, dennoch nie. „Es ist keinem was Besseres eingefallen“, sagt VBE-Chef Michael Blanck hinterher.
Denn mit der Gleichmacherei begann die Ungleichbehandlung. Trotz Ausnahmeregelungen entgingen auch Lehrer, die Mangelfächer unterrichteten, der Teilzeit nicht. Besonderes Engagement wurde ebenso mit Gehaltsminus bestraft wie besondere Gleichgültigkeit im Job. Alle Lehrer wurden über einen Kamm geschoren. Leistung lohnte sich selten, zumal die Landesregierung Ende der 90er noch die Pflichtstundenzahl erhöhte. Das Schlimmste aber: Junglehrer hatten in MV einen grundsätzlichen Einstellungsnachteil. Nur 170 Neueinstellungen sah die Vereinbarung jährlich vor. So sehen die Lehrerkollegien heute auch aus. Engagiert, aber alt. Und: Das Personalkonzept verschaffte dem Land einen riesigen Wettbewerbsnachteil beim Werben um die besten Nachwuchslehrer. Hierzulande wurde nicht verbeamtet. Mit dem vorzeitigen Ende des Lehrerpersonalkonzepts endet die staatlich sanktionierte und gewerkschaftlich organisierte Ungleichbehandlung der Lehrer.


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