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21. November 2017 | 13:23 Uhr

Mit drei Wünschen in die Freiheit entlassen

vom

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2013 | 09:52 Uhr

Eberswalde | Die Oder und die Ostsee soll in den nächsten Jahrzehnten wieder Heimat für Baltische Störe werden. Um das zu erreichen, wurden gestern 200 gezüchtete Exemplare in den Fluss im Nationalpark Unteres Odertal bei Hohensaaten (Märkisch-Oderland) ausgesetzt. Die bis zu 60 Zentimeter langen Jungfische stammen aus der Aufzuchtanlage Born der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern auf dem Darß.

Die Aktion gestern erhielt öffentlichkeitswirksame Unterstützung. Denn die Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, Till Backhaus und Jörg Vogelsänger (beide SPD), waren vor Ort. In einem Behälter sind die markanten Fische vom Darß an die Oder geliefert wurden. Backhaus und Vogelsänger brachten vorsichtig den ersten Bottich mit Stören zum Oder-Ufer. Und beide hielten je einen zappelnden Fisch in die Kameras.

"Der will in die Freiheit", sagte Backhaus und setzte seinen Fisch behutsam ins Wasser. Dort verharrten die Tiere zunächst im Flachen, ehe sie davonschwammen. "Die müssen sich erst orientieren, wo sie überhaupt sind", meinte Backhaus. Sein Brandenburger Kollege sprach von einem historischen Datum und einer Wiedergutmachung, da der Mensch für den Rückgang der Population des einst so begehrten Speisefisches mit dem schwarzen Kaviar verantwortlich sei. Beide Minister standen mit Stiefeln in der Oder, Backhaus gab den künstlich erbrüteten Fischen drei Wünsche mit auf den Weg: Sie sollen die Ostsee erreichen, immer ausreichend Nahrung finden und nach etwa 15 Jahren wiederkehren.

Alle der ausgesetzten Tiere tragen eine kleine Marke in der Rückenflosse. "Über diese Nummer können wir den Fisch identifizieren", erläuterte Gerd-Michael Arndt, Sachgebietsleiter im Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt in Rostock. Wenn so ein Stör ins Netze gehe, solle der Fischer Größe, Gewicht und Fangort melden. Dafür gebe es eine kleine Prämie. Wichtig sei, dass der Fisch dann wieder ins Wasser gelassen werde. "Dadurch können wir das Schicksal des Tieres verfolgen."

Projektleiter Jörn Gessner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin berichtete von bisher mehr als 1500 Fangmeldungen. "Das ist ein gutes Zeichen, dass die Fischerei das Thema wohlwollend angenommen hat", betonte er. Für das Forschungsprogramm zur Wiedereinbürgerung des Störs, das 1996 begann, geben die Daten Aufschluss, in welchem Zeitraum der Fisch, welche Strecken zurücklegt, wie er gewachsen und wie hoch seine Überlebensrate ist. Ausgesetzte Tiere wurden sogar rund um Bornholm und vor Schwedens Küste gesichtet. "Wir sind auf gutem Weg", schätzte Gerd-Michael Arndt ein. Sind sie nach etwa 15 bis 20 Jahren geschlechtsreif, kommen sie zum Laichen in die Flüsse zurück. "Für das Projekt brauchen wir einen langen Atem und langfristige Unterstützung." Als Wanderfisch hat der Stör auch Bedeutung für andere gefährdete Fischarten mit ähnlichen Ansprüchen an den Lebensraum, wie Meerforelle, Schnäpel und Lachs. Denn wo der riesige Stör wieder Zugang zu Laichgebieten mit Kies-Untergrund findet, können ihm auch die anderen Wanderarten ohne Probleme folgen, wie Arndt erläutert.

"Und wo seine Eier und Larven sich ohne zu hohe Verluste aufgrund verbesserter Wasserqualität entwickeln können, wird auch der Nachwuchs der anderen Arten eine Überlebenschance haben.

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