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19. November 2017 | 21:09 Uhr

Mit dem Netz die Meere erobert

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svz.de von
erstellt am 22.Apr.2012 | 07:52 Uhr

Fisch ist das einzige tierische Nahrungsmittel, das die Menschen seit frühesten Zeiten nutzten. In den Schmelzwässern der letzten Eiszeit gefundene Fischereiutensilien deuten auf eine lange Vertrautheit unserer Vorfahren mit Fischfang und -verbrauch hin. Damit verbunden war die Erfindung neuer Fischereigeräte. Es entstanden Steindämme und Zäune, die bei zurück flutendem Wasser den Fisch aufhielten. Auch Pfeil und Bogen sowie Astgabeln, später Speere, nutzte man frühzeitig an Flüssen und am Strand. Bei Niedrigwasser oder in Lagunen fanden sich zudem Krabben, Kleinstfische und Muscheln, die rasch von Sammlern aufgenommen wurden.

Wann die Sensation im Fischfang - der Angelhaken - entwickelt wurde, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Sicher aber ist, dass er in der Steinzeit bekannt war und aus Holz, Horn oder Knochen gefertigt wurde. Der Haken mit Widerhaken hatte gegenüber dem einfachen Speer den Vorteil, dass der Fisch sich nicht wieder von ihm befreien konnte. Bereits in der Bronzezeit erhielt der Haken annähernd seine noch heute gültige Form. Die Angelschnur mit Haken wurde ursprünglich frei mit den Händen gehalten. Eine andere bahnbrechende Erfindung war der aus flechtbarem Material hergestellte Reusenkorb, der heute noch wertvolle Dienste leistet wie beim Hummerfang um Helgoland.

Das Netz als weiteres wichtiges Gerät trat seinen Weg wohl vom Land zum Wasser an. Bei Kämpfen und beim Vogelfang bestens bewährt, eroberte es schnell die Meere. Netzfunde aus dem Satrupholmer Moor bei Schleswig stammen aus der Zeit um 4000 v.Chr. Als älteste bildliche Netzdarstellungen in Europa gelten Höhlenzeichnungen in Frankreich. Die Netze wurden geknüpft aus Pflanzenfasern, Wurzeln, Rinden, Tierhaaren, aber auch aus Sehnen und Därmen.

Kormorane für Fischfang abgerichtet

Es gab sogar eine recht sonderbare Fangmethode, wie sie 1882 auf der Internationalen Fischereiausstellung in Berlin dargestellt wurde. Die Methode wurde in China entwickelt und bediente sich dabei abgerichteter Kormorane. Die Kormoraneier wurden zu diesem Zweck von Hühnern ausgebrütet und der Mensch fütterte die Jungvögel mit Bohnenbrei und Aalfleisch, später mit kleinen Fischen. Dann folgte die Dressur. Eine ans Bein gebundene Schnur verhinderte das Fortfliegen der Vögel, die sich hungrig auf die Fische stürzten. Das wurde Tag für Tag trainiert, und nach vier bis sechs Wochen war die Schnur entbehrlich. Der Fischer brauchte nur zu pfeifen, und die Kormorane kamen mit ihrer Beute an Land. Damit sie selbst den Fisch nicht fressen konnten, wurde ihnen während der Fangzeit ein Ring aus Hanf um den Hals zur Verengung desselben gelegt.

Für Rostock und Warnemünde waren der Fischfang in Fluss und Meer seit Jahrhunderten eine der Haupteinnahmequellen. Vor allem die Heringsfischerei wurde schon um 1280 erwähnt, und durch Privilegien Dänemarks war sie vor der Insel Schonen lukrativ für die Hanseaten.

Im 19. Jahrhundert war die ständig wachsende Küstenfischerei - in der Nachfolge der Fischerei mit Stellnetzen, Reusen und Angeln - an der Küste von Mecklenburg und Vorpommern nur möglich, indem sich mehrere Fischer wie etwa auf Rügen zusammenschlossen, zu Reusen- oder Garnkommunen. Denn das Aussetzen und Heben der schweren Setz- und Treibnetze war für den einzelnen Fischer nicht mehr zu bewerkstelligen. Für die Schleppnetzfischerei, die um 1870 in Warnemünde begann, waren jeweils zwei Jollen notwendig. An den Flachküsten wie in Arendsee, Brunshaupten und Fulgen (ab 1938 vereint zu Kühlungsborn) bildete sich die Strandfischerei he raus.

Die Netzfäden wurden in Warnemünde um 1850 noch selbst von den Fischern und ihren Frauen im Winter aus Hanf sorgfältig gesponnen und dann zu Netzen verknüpft, eine schwierige Arbeit. Welche Rolle die Fischerei in Warnemünde spielte - 1910 gab es im Ort rund 70 Fischer, 1920 waren es bereits 175 - geht aus einem Lotsenspruch hervor. Diese mussten täglich mit einem Lot die Wassertiefe feststellen und benutzten dazu Stangen oder mit Blei beschwerte Leinen. Die Fische wurden mit einem Ruf "gewarnt": "Barg tau von unnern / Kabeljau un Flunnern / Nun kümmt dat grote Lot / Un slait jug alltausammmen dot." (In etwa: Verbergt euch, ihr Fische wenn ihr überleben wollt.) Mit zwei anderen Fischereiarten verdienten die Warnemünder ebenfalls ihr Geld. Das war einmal die "Steinfischerei", bei der man mit Steinzangen vor der Steilküste in zwei bis vier Metern Tiefe mächtige Steine "einsammelte", die später als Ballast und Fundamente Verwendung fanden. Dann gab es noch die Wadenfischerei auf der Warnow und dem Breitling, wenn es die Eisverhältnisse ermöglichten. Zur Bedienung der Eiswade (ein Zugnetz) waren 12 bis 14 Fischer notwendig, die diese unter dem Eis fortzogen und dabei oft reiche Fänge einbrachten.

Bis 1880 etwa benutzte man zum Fischfang Segelschiffe wie Kutter, Ewer, Huker oder Schaluppe, und man fischte zu dieser Zeit bereits mit den maschinell hergestellten Baumwollnetzen.

Wie bedeutend die Fischerei im Berufsleben noch um 1930 im Oberfischmeisterbezirk Stralsund war, machen folgende Zahlen deutlich: 1930 Fischer und Gehilfen fuhren mit 1449 Booten zum Fang hinaus.

Von der beruflichen Fischerei bis zum Angeln für jedermann, vor allem ärmere Familien, war der Weg dann nicht mehr weit.

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