Mit dem Eurofighter nach Bangalore

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5 Uhr morgens auf dem Luftwaffenstützpunkt Laage. Bei null Grad und leichtem Nieselregen sind 59 Männer und eine Frau zum Appell angetreten. Der Befehl lautet: Verlegen ins 8000 Kilometer entfernte Bangalore, Indien. Erstmals nimmt die Luftwaffe an Asiens größter Luftfahrtschau "Aero India" teil. Vom Fliegerhorst Laage starteten dazu gestern vier Eurofighter sowie ein großer Tross Begleitpersonal.

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05. Februar 2009, 07:42 Uhr

Laage | Der stellvertretende Geschwaderkommodore Oberstleutnant Klaus Wuggazer verabschiedet die Truppe, wünscht eine gute Reise und ein erfolgreiches Kommando. Andreas Schick, Kommodore des Jagdgeschwaders 73 "Steinhoff" in Laage, kann den Appell nicht persönlich vornehmen. Er bereitet sich bereits auf den langen Flug vor, fliegt selbst einen der Eurofighter nach Indien. Während die Piloten zu ihren Maschinen gehen, rücken 60 Mann Begleitmannschaft - Wartungs-, Instandhaltungs- und Prüfungspersonal sowie ein Fliegerarzt - zum zivilen Teil des Flughafens Rostock-Laage ab. Für sie geht es in einem Airbus 310 der Bundeswehr nach Bangalore. Der ist bereits einen Tag zuvor in Laage gelandet und wartet auf dem Rollfeld.

Hoch motiviert und Freude auf HerausforderungIm hell beleuchteten Flughafen-Terminal sind die Soldaten an diesem Morgen die ersten Fluggäste. An der Anzeigentafel steht: Bangalore, 8 Uhr. "Das ist nicht gerade unser Standardziel", so Flughafen-Mitarbeiter Matthias Dittmar. "Die Nachfrage von Rostock nach Bangalore ist nicht besonders groß", sagt er und schmunzelt. In der Halle stapeln sich unterdessen die Flecktarn-Rucksäcke der Soldaten. Alle wirken noch etwas verschlafen. Major Mike Feuerbach ist allerdings hellwach. "Eine tolle Gelegenheit unsere Luftwaffe und unser Land in Indien zu präsentieren. Wir sind hoch motiviert und freuen uns auf die Herausforderung", sagt der Kommandoführer Technik wie aus der Pistole geschossen über die Reise nach Bangalore. Anfang des Monats war er bereits in der indischen Sechs-Millionen-Stadt, um die Bedingungen vor Ort zu prüfen und Kontakt zu den Gastgebern aufzunehmen. Jetzt kreisen seine Gedanken schon ganz um den Einsatz. "Es wird viel Arbeit", sagt er. Dennoch hofft Feuerbach, auch Kultur, Land und Leute in Indien besser kennenzulernen. Freizeit und Spaß sollen nicht zu kurz kommen. Eine Badehose hat der Major ebenfalls eingepackt. "Als Soldat muss man immer alles dabeihaben", sagt er und lächelt. Schließlich herrschen in Bangalore gerade bis zu 30 Grad, obwohl in Indien Winter ist.

Erkenntnisse für weltweiten EinsatzDie nächsten eineinhalb Wochen bleiben die insgesamt 70 Soldaten in Indien. Erstmals präsentiert sich die Luftwaffe bei der Flugschau "Aero India", die vom 11. bis 15. Februar auf der Luftwaffenbasis Yelahanka bei Bangalore stattfindet, einer breiten, internationalen Öffentlichkeit. In Indien sollen die vier Jagdflugzeuge aus Laage ihr Können unter Beweis stellen. Das Vorhaben geht auf eine Einladung der indischen Luftstreitkräfte zurück, ausgesprochen bei der Internationalen Luftfahrtausstellung 2008 in Berlin. Hier war Indien Partnernation. Mit der Verlegung der Eurofighter und eines noch in der Einsatzprüfungsphase befindlichen Tankflugzeuges hofft die Luftwaffe auch, weitreichende Erfahrungen mit den neu etablierten technischen und logistischen Verfahren der beiden Waffensysteme zu machen und wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Verlegungen zur Verbesserung der weltweiten Einsatzbefähigung zu erlangen. So heißt es in der offiziellen Verlautbarung zu der Reise nach Bangalore.

Doch diese hochgesteckten Ziele gehen dem Hauptgefreiten Sebastian Stiefel nicht durch den Kopf, während er im Terminal auf den Abflug wartet. Er gehört zum Absicherungspersonal, muss in Indien vor allem Wache schieben. "Wenn die Technik Feierabend hat kommen wir", sagt der 20-Jährige. Seine Hoffnungen, etwas vom fremden Land zu sehen, sind eher gering, obwohl er noch nie in Indien war. "Der Großteil der Zeit wird mit Schlafen und für die Bewachung draufgehen", ist er sich sicher. Mit fünf Kameraden der Absicherungskräfte muss er sich in Bangalore die Nächte um die Ohren schlagen.

Zeit zum Einchecken. Die Soldaten stellen sich in einer langen Reihe an. Sie müssen genauso durch die Sicherheitskontrollen, wie herkömmliche Passagiere. Das schrille Piepen des Metalldetektors schallt durch das sonst leere Laager Flughafen-Terminal. Fliegerarzt Torsten Seifert ist auf alles vorbereitet, während er sich einreiht. Er ist in Bangalore für die Flugtauglichkeit der Piloten verantwortlich. Natürlich kümmert er sich auch um die Wehwehchen des Begleitpersonals, speziell, wenn es um die indische Küche geht. "Ausreichend Medikamente für Magen-Darm-Erkrankungen habe ich dabei", sagt er. "Wichtigste Anweisung für die Soldaten ist, dass sie ja darauf achten, dass alle Speisen ordentlich gekocht sind."

Seifert hat alles gut durchgeplant. "Doch ein Quäntchen Ungewissheit bleibt immer", sagt der Fliegerarzt. Die Reise nach Indien sei schon etwas Besonderes. "Man kommt raus und trifft andere Leute", freut er sich. Ein Erlebnis, von dem jeder Einzelne für seine persönliche Entwicklung profitiere. Natürlich würde er auch zu Hause gebraucht, gibt Seifert zu. Seine Frau und sein noch nicht mal ein Jahr altes Kind sitzen in Magdeburg. "Aber als Soldat hat man nun auch mal Aufträge im Ausland.", sagt er.

Soldaten decken sich mit Schnaps einViele Auslandsaufträge hat auch Seiferts Kollegin, die flugmedizinische Assistentin Jana Klose, schon hinter sich. Für die Luftwaffe arbeitete sie bereits in den USA, Kanada oder Italien. "Indien ist neu für mich", sagt die einzige Frau des gesamten Kommandos. Schon Monate vor dem gestrigen Start hat sie sich Reiseführer über Indien besorgt. "Ich habe mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich mitfliegen darf", sagt Jana Klose, die seit 1994 auf dem Fliegerhorst Laage stationiert ist und seitdem in Kritzkow lebt.

Ein alter Hase auf dem Fliegerhorst und auslandserprobt ist auch Stabsfeldwebel Jörg Rösler, der von seinen Kameraden nur "Rosi" gerufen wird. Seit 1986 ist er in Laage stationiert, lebt seitdem in der Recknitzstadt. Rösler ist verantwortlich für die Rechen-, Navigations- und Waffenelektronik der Eurofighter. "Der Job in Indien wird Routine. Es ist bloß weiter weg", sagt er. Aber Indien, das sei doch mal was, ist "Rosi" überzeugt. "Eine große Aufgabe, die Flugzeuge, über diese weite Entfernung zu verlegen", denkt er laut nach. Wenn er angekommen sei, werde er die Flugzeuge gleich durchchecken.

Die Abflugzeit rückt immer näher. Die Soldaten vertreiben sich die Zeit in der Raucherlounge und im extra für sie geöffneten Duty-Free-Shop. Einige Flaschen Hochprozentiges wandern hier in die Rucksäcke. "Alles nur nach Feierabend", betonen sie. Unterdessen heben bereits die Eurofighter vom militärischen Teil des Flughafens Laage ab. Fünf Stunden bis zur Zwischenlandung in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zeitgleich startet das Tankflugzeug in Köln-Bonn. Mehrmals müssen die Kampfflugzeuge unterwegs betankt werden. In Abu Dhabi gibt es eine Übernachtung. Dann sind es noch einmal drei Stunden bis Bangalore.

Stabsfeldwebel "Rosi" hat sich für die Reise seinen MP3-Player eingesteckt und Wechselklamotten dabei. Ein bisschen Wehmut packt ihn schon, als er die Gangway zum Airbus runtergeht. "Meine Frau und mein Sohn sind zu Hause in Laage", sagt er nachdenklich. "Sie haben mir heute Morgen eine gute Heimkehr gewünscht." Routinemäßig hebt der Airbus vom Laager Flughafen Richtung Bangalore ab. Am 16. Februar sind "Rosi" und seine Kameraden wieder in ihrer Heimat - auf dem Fliegerhorst Laage.

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