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Mit Bewegung und Sonne gegen die Frühjahrsmüdigkeit

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erstellt am 02.Apr.2013 | 10:44 Uhr

Über Frühjahrsmüdigkeit, die Wirkung von Vitamin D und andere Fitmacher sprach Kathrin Neumann mit Privatdozent Dr. Stefan Zimny, Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie und Rheumatologie an den Helios Kliniken Schwerin.

Nach dem Winter klagen viele Menschen über Frühjahrsmüdigkeit. Einbildung oder medizinisch begründetes Problem?

Eigentlich gibt es keinen medizinischen Grund, zu dieser Zeit besonders müde und schlapp zu sein. Die Sonne, die wir jetzt häufiger und länger sehen, unterdrückt die Produktion von Melatonin, eines schläfrig machenden Hormons. Wir müssten also aktiver sein - eigentlich. Aber vielleicht liegt die gefühlte Frühjahrsmüdigkeit daran, dass die Tage länger werden, man länger wach ist und die Ruhephasen kürzer sind. Der Körper ist daran noch nicht gewöhnt. Möglicherweise spielt auch der zu dieser Jahreszeit im Allgemeinen niedrige Vitamin-D-Spiegel eine Rolle.

Welchen Einfluss hat Vi tamin D auf den Organismus?

Dass Vitamin D die Knochen stärkt, ist seit Jahrzehnten bekannt. Mittlerweile geht man aber davon aus, dass es noch viel mehr positive Effekte hat, etwa auf die Muskeln, das Immunsystem und das Wohlbefinden. Studien haben gezeigt, dass Vitamin D bei älteren Menschen sogar Stürzen vorbeugen kann, weil es die Muskelkraft steigert. Noch sind nicht alle Effekte bekannt, aber das Thema Vitamin D ist bei Wissenschaftlern derzeit beliebt.

Warum ist der Vitamin-D-Spiegel derzeit so niedrig?

Vitamin D ist genau genommen kein Vitamin, weil es vom Körper selbst gebildet werden kann. Es ist eine Hormon-Vorstufe. Es entsteht aber nur unter Einwirkung von ultraviolettem Licht aus einem Sterin, das sich in der Haut befindet und auch eine Cholesterin-Vorstufe ist. Im Winter reicht die Sonneneinstrahlung nicht aus, um ausreichend Vi tamin D zu bilden. Insbesondere bei älteren Patienten stellen wir fest, dass im Februar und März der Vitamin-D-Spiegel niedrig ist, in diesem Jahr noch niedriger als erwartet. Das hängt natürlich damit zusammen, dass viele ältere Menschen im Winter noch weniger ins Freie gehen und so die Sonneneinstrahlung nicht ausreicht. Hinter dem Fenster zu sitzen, bringt da nichts. Dabei reicht es schon, eine halbe Stunde lang die Sonne auf Gesicht und Arme scheinen zu lassen, um den Vitamin-D-Stoffwechsel anzukurbeln.

Gibt es keine andere Möglichkeit, Vitamin D aufzunehmen?

Über die Nahrung können wir allenfalls zehn Prozent unseres Bedarfs decken. Auch Lebertran und fetter Fisch enthalten viel Vitamin D. Um genug davon zu bekommen, müssten wir aber täglich sehr viel davon essen. Vor allem älteren Menschen empfehlen wir die Einnahme von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel.

Fit in den Frühling. Was kann jeder Einzelne dafür tun?

An die frische Luft gehen und sich regelmäßig bewegen. Dreimal in der Woche mit niedriger Intensität bringt mehr als ein Gewaltlauf. Gut wären eine Einheit Muskeltraining und zwei Einheiten Ausdauertraining für den Kreislauf. Mehr Muskeln sorgen dafür, dass mehr Blutzucker aufgenommen werden kann und der Blutzuckerspiegel im Körper sinkt. Das Ausdauertraining führt zur Gewichtsreduktion und dazu, dass Insulin im Körper besser wirkt. Deshalb ist Sport ein wichtiger Teil der Diabetes-Therapie. Aber auch jeder andere Mensch profitiert von diesen Mechanismen.

Kann jeder sofort mit Sport beginnen?

Wer regelmäßig Sport macht und jetzt wieder starten will, kann bedenkenlos loslegen. Wer bisher keinen Sport gemacht hat, sollte sich grünes Licht von seinem Hausarzt holen. Gegebenenfalls wird dieser zuvor auf dem Ergometer die Belastbarkeit seines Patienten prüfen. Gerade bei Menschen jenseits der 40/50 kann der Sport zu Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen führen. Bewegen kann sich unabhängig davon jeder. Ein strammer Spaziergang oder regelmäßige Gartenarbeit tun es auch.

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